Neue Publikation: „Machtstrukturen in Hochschulräten“

„Verfügen Wirtschaftsvertreter und -vertreterinnen in den Hochschulräten nordrhein-westfälischer Universitäten über mehr Macht als andere Gruppen? Und worauf ist dieses Machtpotenzial zurückzuführen? Der Beitrag stützt sich auf die Machttheorie von Steven Lukes und verwendet Daten über die soziale Komposition der Hochschulräte sowie über die hochschulpolitischen Aktivitäten der Hochschulratsvorsitzenden. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Gruppe der Wirtschaftsvertreter über ein größeres Machtpotenzial verfügt als andere Gruppen. Der Grund dafür liegt vor allen darin, dass Wirtschaftsvertreter in acht der 14 NRW-Hochschulräte die vorsitzende Person stellen. Die Hochschulratsvorsitzenden nutzen ihr Machtpotenzial u.a. über politisches Lobbying bei der Reform von Hochschulgesetzen.“

„University boards (Hochschulräte) supervise crucial strategic decisions within German universities. Of their members, do business representatives have more power than other groups in North Rhine-Westphalian (NRW) universities? If so, what can this power potential be attributed to? The article is based on the power theory developed by Steven Lukes and uses data on the social composition of the university boards as well as on the university policy activities of their chairmen. The results suggest that the group of business representatives has greater power potential than other groups. The main reason for this is that business representatives constitute eight of the 14 NRW university board chairs. The chairmen of the university boards use their power potential, among other things, to lobby politically for the reform of university laws.“

Quelle: Abstracts aus dem Aufsatz von Nienhüser, Werner: Machtstrukturen in Hochschulräten. Eine theoretisch geleitete empirische Analyse am Fall der nordrhein-westfälischen Universitäten. In: Hochschulmanagement 14 (2+3), S. 68–78.

„We Provoked Business Students to Unionize“ – a good example for critical teaching

If you want to know, what good critical teaching is, you should read this article. Body and mind, feeling and thinking are being connected in the classroom (https://criticalmotteaching.wordpress.com).

Abstract. „Many industrial relations (IR) scholars experience some angst at their (mis)placement in business schools. While our Abstract Many industrial relations (IR) scholars experience some angst at their (mis)placement in business schools. While our expertise broadens the curriculum, the topics central to IR and union?management matters often are met with student resistance, particularly in North America. At our wits? end, we decided to employ a deception simulation. We devised an award winning exercise that broke business students? psychological contract with their professor and gave them an opportunity to organize collectively to redress this injustice. Students observed first-hand the triggers of union organizing as well as their responses to inequity. Anonymous student feedback showed an overwhelmingly positive reception to the exercise. Ethical standards developed to scrutinize deception are used to review our own exercise according to our profession?s standards. Deception is rarely used in teaching and is often associated with malevolent, callous or selfish ends. We challenge this viewpoint. Its power is in generating relevant controversies and evoking emotions that help memory consolidation.“ (Taras/Steel 2007: 179)

Universität Duisburg-Essen – Einladung zum Gastvortrag von Marcel Thiel: „Im Osten nichts Neues? Gewerkschaftlicher Rückenwind in Ostdeutschland zwischen nachholender Demokratisierung und Union Busting“

Gastvortrag von Marcel Thiel 
„Im Osten nichts Neues? Gewerkschaftlicher Rückenwind in Ostdeutschland zwischen nachholender Demokratisierung und Union Busting“

Dipl.-Psych. Marcel Thiel wird ausgehend von seiner Forschungsarbeit  darüber berichten, wie stark der Rückenwind für die Gewerkschaften in  Ostdeutschland ist, welche zentralen Ursachen und gewerkschaftlichen Organisierungsprozesse ihm zugrunde liegen und welcher Gegenwind diesem entgegenschlägt.
Wir wollen mit den Anwesenden offen über vergleichbare Prozesse und  Erfahrungen in Ost- und Westdeutschland reflektieren und gewerkschaftsstrategische Herausforderungen diskutieren. (Einen Flyer mit Informationen zum Vortrag können Sie hier herunterladen.)

Wann? Mo, 26.10.2015, 18:15 Uhr

Wo? S06 S00 A40, Campus Essen

Veranstalter: Lehrstuhl Arbeit, Personal und Organisation (Prof. Dr. Werner Nienhüser; Dipl. Soz.wiss./M.Sc. Esther Glück)

Dr. Şafak Tartanoğlu, Uludag University, Turkey: “The Prospects of Gendered Insecurity: Home-Based Garment Work as a Form of Precarious Employment in Turkey“

Dr.  Şafak Tartanoğlu, Uludag University, Turkey, visited the research group of Werner Nienhüser (University of Duisburg-Essen). She gave a great presentation on „The Prospects of Gendered Insecurity: Home-Based Garment Work as a Form of Precarious Employment in Turkey„. The presentation delivered an excellent overview on current research, identified several research gaps and made suggestions how to close these gaps.

Studierende haben „kaum Ahnung von Mitbestimmung“

Studierende hätten von Mitbestimmung kaum Ahnung. „An deutschen Hochschulen lernen künftige Manager alles Mögliche – nur nichts über Sozialpartnerschaft und die Institutionen der Arbeitnehmerbeteiligung“. Das behauptet der in der Zeitschrift „Mitbestimmung“ erschienene Artikel von Mario Müller.
(Quelle: Mitbestimmung 06/2011).

Aesthetic Labor – siehst Du nicht gut aus, siehst Du alt aus – ein Maßanzug hilft aber…

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Ein Wirtschaftsprofessor der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder holt einen thailändischen Schneider nach Deutschland. Er will, dass seine Studenten gut aussehen – dafür benötigen sie Maßanzüge, und die sind nun mal mit thailändischen Löhnen billiger zu haben.

„Der Thailänder Jim reist wie ein Hofschneider an deutsche Unis, um Aufträge für Maßanzüge einzusammeln. Ein gut sitzender Anzug steigert schließlich das Selbstbewusstsein. Ein Professor holte ihn nach Franfurt/Oder – und die Studenten starten nun mit Maßanzügen ins erste Praktikum.“ (Spiegel Online vom 4.5.2011)

Da bekommt der Student – Studentinnen werden in dem Artikel nicht genannt – nicht nur für 265 Euro einen günstigen Anzug, sondern gleich noch eine Lektion über die Vorzüge internationaler Arbeitsteilung: „Deutschland kann Autos und Maschinen – Thailand kann Anzüge“. So zitiert der SPIEGEL Prof. Georg Stadtmann.

Studierende erhalten aber mit dem billigen Maßanzug nicht nur eine körperlich gefühlte Verstärkung einer volkswirtschaftlichen Mainstream-Lehrmeinung. Ihnen wird auch klargemacht, dass Aussehen wichtig ist und wie sie auszusehen haben; nochmal Professor Stadtmann: „Ein Anzug ist nicht nur Berufskleidung, sondern auch eine zweite Haut und ein Statussymbol. Da muss alles gut sitzen. Dann stimmt auch das Selbstbewusstsein, beispielsweise bei der Bewerbung.“

Diese Einschätzung mag empirisch richtig sein. Wie man aber die zunehmende Bedeutung von Aussehen bewertet, ist eine andere Sache. Kritische Wissenschaftler (eine der ersten Publikationen stammt von Warhurst, C., Nickson, D., Witz, A., & Cullen, A. M. (2000). Aesthetic Labour in Interactive Service Work: Some Case Study Evidence from the ‚New‘ Glasgow. The Service Industries Journal, 20(3), 1–18) haben bereits vor einigen Jahren mit dem Konzept von „aesthetic labour“ darauf hingewiesen, dass das Aussehen der Beschäftigten immer mehr der Verwertung unterworfen wird. Die Bedeutung des Aussehens, aber auch wie man spricht, wie man auftritt, gilt nicht nur für Absolventen von privaten „Wirtschaftsuniversitäten“ (um die mehrdeutige Bezeichnung des SPIEGEL zu verwenden), sondern auch bei einfachen Dienstleistungstätigkeiten wie etwa Verkaufstätigkeiten im Einzelhandel (mehr über das Konzept „aesthetic labour“ kann man in Kurzform hier nachlesen: www.workandsociety.com/downloads/bodywork/aeslab.pdf).

Siegfried Kracauer schrieb bereits 1929 über die kapitalistische Mitverwertung des Körpers bzw. seiner Ästhetik; er bezog sich auf die Angestellten in Berlin:

„Die Behauptung ist kaum zu gewagt, daß sich in Berlin ein Angestelltentypus herausbildet, der sich in der Richtung auf die erstrebte Hautfarbe hin uniformiert. Sprache, Kleider, Gebärden und Physiognomien gleichen sich an, und das Ergebnis des Prozesses ist ebenjenes angenehme Aussehen, das mit Hilfe von Photographien umfassend wiedergegeben werden kann. Eine Zuchtwahl, die sich unter dem Druck der sozialen Verhältnisse vollzieht und zwangsläufig durch die Weckung entsprechender Konsumentenbedürfnisse von der Wirtschaft unterstützt wird.
Die Angestellten müssen mittun, ob sie wollen oder nicht. Der Andrang zu den vielen Schönheitssalons entspringt auch Existenzsorgen, der Gebrauch kosmetischer Erzeugnisse ist nicht immer ein Luxus. Aus Angst, als Altware aus dem Gebrauch zurückgezogen zu werden, färben sich Damen und Herren die Haare, und Vierziger treiben Sport, um sich schlank zu erhalten. „Wie werde ich schön?“ lautet der Titel eines jüngst auf den Markt geworfenen Heftes, dem die Zeitungsreklame nachsagt, daß es Mittel zeige, „durch die man für den Augenblick und für die Dauer jung und schön aussieht“. Mode und Wirtschaft arbeiten sich in die Hand.“ (Kracauer, S. 1974: Die Angestellten. Frankfurt/M., S. 25; erstmals 1929 in der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht).

Aussehen und – weitergehend – Habitus sind offenbar mindestens ebenso wichtig wie fachliche Qualifikation. Für die im SPIEGEL-Artikel genannten Studierenden ist zu vermuten, dass deren Körper der Verwertung nicht nur passiv unterworfen werden, sie drängen selbst, bewusslos, auf Verwertung.

(Bild siehe http://www.flickr.com/photos/houseofduke/2059658642/sizes/o/) Danke.

Resolution – Konjunktur und Hochschulen gemeinsam fördern

Der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre (VHB) hat eine Resolution „Konjunktur und Hochschulen gemeinsam fördern “ verabschiedet (mehr).