„The Social Protection of Workers in the Platform Economy“ – new research report

Interesting research report: „The Social Protection of Workers in the Platform Economy„.

 The research was conducted for the Employment and Social Affairs (EMPL) Committee of the European Parliament by an international team of researchers at the Centre for Employment Relations Innovation and Change (CERIC), Leeds University Business School, under the leadership of Professors Chris Forde and Mark Stuart. 
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Unterstützung des Filmprojekts „Der marktgerechte Mensch“

Unterstützenswert ist der Film „Der marktgerechte Mensch„. Ich habe gespendet, damit der Film zustande kommt. Die Filmemacher (Leslie Franke, Herdolor Lorenz und Stefan Corinth)  haben sowohl mit der Finanzierung von „unten“ als auch mit kritischen Filmen Erfahrung:

„„Der Marktgerechte Mensch“ entsteht als Film von unten“ – finanziert von denen, die ihn sehen und zeigen wollen. Die letzten Projekte der Filmemacher wie „Wer Rettet Wen?“ „Water Makes Money“ und „Bahn unterm Hammer“ haben gezeigt, wie mit Aufklärung und Mobilisierung Einfluss genommen werden kann.“ (Quelle: http://kernfilm.de/index.php/de/projekte/62-der-marktgerechte-mensch)

Warum arbeiten Leiharbeiter so hart? – “Why Do Temp Workers Work as Hard as They Do?“

Warum arbeiten Leiharbeiter so hart? Ein Gastbeitrag von Ingo Winkler.

Dieser Frage geht Shinji Kojima in seinem kürzlich erschienenen Artikel “Why Do Temp Workers Work as Hard as They Do?“ nach. Er referiert zunächst die zwei Gründe, welche in der wissenschaftlichen Literatur genannt werden. Zum einen führen die strukturellen Bedingungen von Leiharbeit dazu, dass bei Leiharbeitern ein hoher Arbeitseinsatz zu beobachten ist. Leiharbeiter werden systematisch dem Just-in-time-Prinzip der Verfügbarkeit von Arbeit unterworfen. Sie haben in der Regel nur wenig Macht, um ihre Interessen durchzusetzen, sie werden bei ihrer Arbeit sowohl vom Verleiher als auch vom Entleihunternehmen kontrolliert und sie sind permanent von Arbeitslosigkeit bedroht, da diese Form temporärer Beschäftigung keine Beschäftigungssicherheit garantiert. Diese Bedingungen haben zur Folge, dass Leiharbeiter hohe Arbeitsleistungen erbringen, auch wenn dies zum Teil eher widerwillig geschieht. Zum anderen merkt die wissenschaftliche Diskussion an, dass Leiharbeit verschiedene materielle und kulturelle Anreize beinhaltet, welche zu einem gewissen Commitment der Leiharbeiter zu dieser Art der Beschäftigung und damit zu hoher Arbeitsanstrengung führen. So wird Leiharbeit gegenüber anderen Formen prekärer Beschäftigung bevorzugt, da zum Beispiel durch den Verleiher mehr Möglichkeiten existieren, regelmäßig Zugang zu bezahlten Jobs zu erhalten. Weiterhin besteht die Möglichkeit, durch hohen Arbeitseinsatz ein gewisses Maß an sozialer Anerkennung innerhalb des Entleihunternehmens zu erhalten, und somit die Chance, dem geringen sozialen Status des Leiharbeiters zumindest teilweise zu entfliehen. Schließlich wird auch die „reale“ Chance angeführt, in die Stammbelegschaft eines Entleihunternehmens übernommen zu werden.

Beide Erklärungsansätze liefern jedoch nur ein unvollständiges Bild. Der erste Ansatz verneint die Möglichkeit des eigenständigen strategischen Verhaltens der Leiharbeiter. Die strukturellen Bedingungen von Leiharbeit, so die implizite Annahme, zwingen Leiharbeiter praktisch zu hohen Arbeitsleistungen. Der zweite Ansatz reduziert das Commitment und die Arbeitsleistung von Leiharbeitern auf ökonomische oder soziale Belohnungen. Hierbei wird eine instrumentelle Arbeitsorientierung unterstellt. Nach Shinji Kojima existieren noch weitere, eher subtile Mechanismen, welche die hohe Arbeitsanstrengung von Leiharbeitern erklären.

Auf Basis der Ergebnisse seiner ethnographische Studie bei japanischen Fabrikleiharbeitern argumentiert er, dass die von ihm untersuchten Fabrikleiharbeiter davon überzeugt sind, dass die Bewältigung der physisch und psychisch hohen Anforderungen von Fabrikarbeit essentiell dafür ist, um langfristig als Leiharbeiter bestehen zu können. Dies wird von den Leiharbeitern als Ansporn betrachtet, sich besonders zu engagieren und anzustrengen. Diejenigen Arbeiter, die es durch harte Arbeit schaffen, als Fabrikleiharbeiter zu bestehen, gelten als erfolgreiche Leiharbeiter. Das Meistern der Kunst der Fabrikarbeit durch hohen Arbeitseinsatz hat sich praktisch als Synonym für den erfolgreichen Leiharbeiter etabliert. Es stiftet damit Sinn und führt dazu, dass die Leiharbeiter ein genuines Interesse an der Kunst der Fabrikarbeit bzw. der Kunst als Fabrikarbeiter zu bestehen entwickeln. Damit im Zusammenhang entsteht ein Bewusstsein unter den Leiharbeitern, kompetente, hart arbeitende und somit wertvolle Arbeiter zu sein.

Darüber hinaus argumentiert Shinji Kojima, dass die Leiharbeiter ihre Kreativität und Individualität dazu nutzen, um aktiv der Entfremdung durch die restriktiven strukturellen Bedingungen von Leiharbeit entgegenzuwirken. Die Arbeiter nutzen ihr kreatives Potential dazu, die Kunst der Fabrikarbeit zu erlernen (bzw. je nach Entleihbetrieb zu adaptieren) und individuell zu perfektionieren. Zudem verstehen sie das Ergebnis ihrer Arbeit, z.B. das akkurate Montieren eines Bauteils, als Resultat ihres individuellen Engagements, also ihrer harten Arbeit. Beide Aspekte resultieren in Arbeitsfreude.

Insgesamt führt das hohe Engagement der Leiharbeiter zum Erlernen der Kunst der Fabrikarbeit zu einer Transformation von entfremdender in sinnstiftende Arbeit. Das Erlernen und Perfektionieren der Kunst der Fabrikarbeit lies bei den Leiharbeitern ein Bewusstsein für den Wert ihrer Arbeit entstehen. Sie verstehen sich als kompetente, hart arbeitende Arbeiter, die ein gewisses Maß an Kreativität und Individualität einbringen können und wollen. Dieses Verständnis zieht wiederum einen erhöhten Grad an Commitment zur Fabrikarbeit selbst nach sich sowie die implizite Motivation, weiterhin hart zu arbeiten, da hoher Arbeitseinsatz der Fabrikleiharbeit Sinn verleiht.

Die von Shinji Kojima untersuchten Arbeiter sind natürlich nicht naiv, sondern durchaus in der Lage, die mit Leiharbeit verbunden problematischen Bedingungen (z.B. Diskriminierung durch das Management, Nichtakzeptanz bei der Stammbelegschaft, ein Gefühl von ungerechter Behandlung bei abrupter Beendigung des Einsatzes) kritisch zu reflektieren. Unfaire und schlechte Behandlung seitens der Entleihunternehmen zu erfahren ist für die Fabrikleiharbeiter besonders schmerzvoll, da dies mit ihrem Bewusstsein des kompetenten und hart arbeitenden Leiharbeiters kollidiert.

Insgesamt liefert die Untersuchung einen Anhaltspunkt dafür, dass auch die Arbeit, welche Leiharbeiter in den Entleihunternehmen leisten, für sie einen intrinsischen Wert haben kann. Auch wenn Leiharbeit überwiegend von Zwang und Kontrolle geprägt ist, haben nach Shinji Kojima auch Leiharbeiter den, wie er es nennt, „humanistic drive“ (S. 378), um restringierende und entfremdende Arbeitsbedingungen sozialer, erträglicher und somit für sie sinnvoll zu machen.

Literatur

Shinji Kojima (2015). Why Do Temp Workers Work as Hard as They Do?: The Commitment and Suffering of Factory Temp Workers in Japan. The Sociological Quarterly, 56(2), S. 355-385).

Interesting conference: „Flexwork Conference 2015“

Navigating the Changing World of Work – a Flexwork Research Conference Navigating the Changing World of Work – a Flexwork research conference / expert meeting 5th NCWW 2015 – Rotterdam, the Netherlands, 22-23 Oct 2015:

“Exploring non-standard employment in inclusive labour markets – outlining key issues and metrics” In the EU organization and regulation of employment are under pressure. Growing flexibilization and particularization of employment relationships brings possibilities of adaption, development and innovation. At the same time it brings insecurity and risks of short-term opportunistic behaviors. Furthermore previously relatively self-evident issues of, for example, community, social and economic maintenance and development have come under pressure and require more active attention. For a large part challenges in employment and HRM have become more complex and require further and fresh thinking, both about the issues at stake and about the metrics that can be used to illuminate the issues and support decision-making. For Flexwork research there seems to be a lot to gain from cross-fertilization between the debates at the various levels of investigation. At the same time, the academic debate at the various levels has developed its own lingua, experiential base, and contribution to the debate on regulation, organization and management of nonstandard employment. At the level of fundamental academic research the different areas each make valuable contributions, but seldomly meet. The 2015 Flexwork research conference in Rotterdam is organized with the aim to stimulate critical and inquiring debate around these issues. To address the important themes in the labour market, in the organization of work, and at the level of individual jobs we have organized a working conference where we address core issues at each level in three rounds engaging invited expert participants in a debate across these levels. The Flexwork research conference is organized bi-annually by Flexwork research (www.flexworkresearch.org) with the aim to fundamentally, critically and creatively discuss issues around nonstandard and temporary work. The format of the conference is adapted every conference.

Keynote speakers Raymond Torres (ILO) “Key issues and criteria for measuring Inclusiveness, comparing different debates, ways forward and questions ahead” Chris Warhurst (Warwick) “Successful local resilience in the face of global pressures for cost reduction and fragmentation” Amy Wrzesnieski (Yale) “The meaning of the job – job crafting, career and calling. Shaping interactions and relationships in nonstandard employment – the possibilities and challenges of being a good employer”

Source: Flexwork Conference 2015

Gute Aktion – IG WerkFAIRträge

Eine gute Initiave. Die Interessengemeinschaft (IG) „IG WerkFAIRträge“ setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen der Beschäftigten von Werkvertragsfirmen ein.

„Initiiert hatte die „IG WerkFAIRträge“ Inge Bultschnieder. Sie lernte im September 2012 im Krankenhaus eine Bulgarin kennen, die von einer Werkvertragsfirma im Fleischwerk Tönnies eingesetzt war. Betroffen von deren Schilderungen über „untragbare Zustände, bietet sie mit ihren Mitstreitern den Betroffenen seither Beratungs-und Unterstützungsangebote, kämpft, um deren Lebensbedingungen zu verbessern“.

„Irgendetwas hat mir gesagt, das musst du jetzt sofort machen“, erklärt Inge Bultschnieder auf die Frage, warum sie im Spätsommer 2012 in Sachen Werkvertragsarbeiteraktiv geworden ist. Zusätzliche Motivation sei ein Interview des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch gewesen.

„Im Souterrain unseres Arbeitsmarkts haben sich unhaltbare Zustände ausgebreitet“, hatte der Geistliche mit Blick auf die vielen Werkvertagsarbeiter insbesondere in der deutschen Fleischindustrie kritisiert. „Wer gegen diese Missstände aufbegehrt, hat die Kirche als Verbündete.“ (vergl. Kirche + Leben, Wochenzeitung im Bistum Münster, 18. August 2013, Nr. 33)

via Start – IG WerkFAIRträge.“

Über das Unternehmen, dessen „Kerngeschäft“ nach eigenen Angaben die „Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung von Schweinen, Sauen und Rindern“ ist, wird viel geschrieben, siehe z.B. den Beitrag im Handelsblatt„. Auf einer der Webseiten der Initiative findet sich unter anderem auch der Hinweis auf die TV-Dokumentation „story – Das Mindestlohn-Experiment, bei der es u.a. um Subunternehmer geht, die für die Firma Tönnies arbeiten (siehe Abschnitt Minute 25,30 – 30).

Regulating for Decent Work: Gerhard Bosch on employment relationships, social protection, and minimum wages

Regulating for Decent Work

Gerhard Bosch on employment relationships, social protection, and minimum wages

Gerhard Bosch, Professor of Sociology and Director of the Institute for Work and Skills at the University of Duisburg-Essen, Germany, discusses the complex linkages between more flexible employment relationships, social protection, minimum wage setting and collective bargaining.

via Regulating for Decent Work: Gerhard Bosch on employment relationships, social protection, and minimum wages.

Fragen und Antworten zur Befristung von Arbeitsverträgen

Nun auch auf Youtube…