„Rights of Workers“ aus der Sicht von Milton Friedman

Wer schützt die Arbeiter? Friedman beantwortet die Frage an einer Stelle seiner interessanten Rede von 1980 so: „Workers are protected by employers“. Und zwar bietet den Schutzt nicht der Unternehmer, der den Arbeiter beschäftigt, sondern es schützen diejenigen Unternehmer, die ihn beschäftigten könnten. Das Vorhandensein von alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten, Konkurrenz also, „competition“, „the free market“, das und nichts anderes schützt den Arbeiter (und alle Beschäftigten) vor der Ausbeutung durch den Unternehmer.

Wer schützt nun den Unternehmer vor der Ausbeutung durch den Arbeiter? (Wie eine solche „Ausbeutung“ („exploitation“) aussieht, versucht Friedman ebenfalls skizzenhaft zu zeigen, seine Ausführungen bleiben hier aber erheblich blasser als bei den Gewerkschaften, die die Unternehmen „ausbeuten“.)  Der Unternehmer wird geschützt durch das Vorhandensein von Konkurrenz unter den Arbeitern! Und was machen die Gewerkschaften? Gewerkschaften verfolgen aus der Sicht von Friedman vorrangig das Ziel, die Konkurrenz der Beschäftigten untereinander einzuschränken. Logische Schlussfolgerung, wenn wir Ausbeutung verhindern wollen: Gewerkschaften sind an solchen (diesen) Aktivitäten zu hindern. (Friedman erwähnt in einem Nebensatz, dass Gewerkschaften wie auch Arbeitgeberverbände durchaus positive Seiten haben könnten, rückt aber die konkurrenzbegrenzenden und damit marktfeindlichen Aktivitäten und Funktionen in den Vordergrund.)

Hier bekommt man ein Reinform und in einer zumindest auf den ersten Blick logisch stringent erscheinenden Analyse die Position dargelegt, die meiner Meinung nach heute noch die Mainstream-Ökonomik prägt und viellleicht sogar dominiert. Die Kritik an Friedmans Position müsste weniger an den Schlussfolgerungen, sondern stärker an den grundlegenden Prämissen ansetzen – insbesondere an der Hypothese des „funktionierenden Wettbewerbs“, an den Annahmen über die menschliche Natur (der Mensch ist ein rationaler Egoist) und an der Vermutung über die gesellschaftlich positiven Folgen eigennützigen Handelns. Diese Kritik dürfte auch heute noch, rund 25 Jahre nach Friedmans Rede, nötig sein.

 

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