Abstimmung „Public Eye Award“ 2013 läuft

Nominiert für das „übelste Unternehmen des Jahres“ sind folgende Unternehmen:

Repower: Die Bevölkerung Kalabriens will kein gigantisches Kohlekraftwerk neben der Haustür. Repower baut’s trotzdem.
Shell: Shell will in der höchst empfindlichen Arktis nach fossilen Brennstoffen suchen – die Risiken sind enorm.
Coal India: Der weltweit grösste Kohleförderer vertreibt Stammesvölker aus ihrer Heimat. Alleine 2010 starben in den Minen 205 Arbeiter.
Lonmin: Der südafrikanische Minenkonzern instrumentalisierte Polizei und Armee um einen Streik zu brechen. Resultat: 44 Tote.
Goldman Sachs: Hat gegen horrende Gebühren Griechenlands Staatsschulden versteckt und das Land so in den Ruin getrieben.
G4S: Weltgrösster privater Sicherheits-Dienstleister, in zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verwickelt.
Alstom: Alstom besticht weltweit Politiker um an Aufträge zu gelangen und verhindert so wirtschaftliche Entwicklung.“

(Quelle: http://www.publiceye.ch/de/vote)

Die Nomierungen stammen von „über 50 Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt“ (Quelle: www.moneycab.com): Das Institut für Wirtschaftsethik (IWE) der Universität St. Gallen unterstützt den Nominationsprozess der Public Eye Awards, indem es über die Unternehmen Gutachten erstellt hat. Interessant finde ich allerdings folgende Aussage von Florian Wettstein, dem Leiter des IWE, in einem Interview mit der TAZ (am 5.1.2013):

Frage TAZ (Hannes Koch): „Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern verleihen bald wieder ihren Schmähpreis an unsoziale und unökologische Konzerne. Goldman Sachs trage eine Mitverantwortung für den Ruin Griechenlands und die Eurokrise, lautet eine der Anschuldigungen. Halten Sie diese für zutreffend?“
Antwort Florian Wetterstein: „Die Recherchen zum Verhalten der einzelnen Unternehmen erhalten wir in anonymer Form. Unsere Aufgabe ist es nicht, die darin genannten Fakten zu überprüfen. Da wir beim Verfassen der Gutachten die dahinter stehenden Firmen nicht kennen, müssen wir uns grundsätzlich darauf verlassen, dass die Angaben stimmen. Dies liegt in der Verantwortung der Organisationen, die den Preis verleihen. Unser Mandat besteht darin, die Politik der Firmen im Rahmen der Nominationen wirtschaftsethisch zu bewerten.

Wie kann man denn etwas bewerten, ohne zu prüfen, ob das zu Bewertende tatsächlich zutrifft? Zwar gibt es auf der Webseite des Public Eye Award  Hinweise auf weitere Informationen über die Unternehmen, zu wünschen wäre jedoch noch mehr Transparenz und wissenschaftliche Expertise, auch sollten die Gutachten des IWE öffentlich gemacht werden, um eine bessere Basis für eine eigene Bewertung der Unternehmen (und damit für eine Abstimmung) zu haben.

Videos zu den „übelsten Unternehmen“ finden sich hier: http://www.youtube.com/user/publiceyeawards

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