Management by Bücherverbrennungen

Die ideologische Naivität (oder Ignoranz) – oder besser: die Naivität und/oder Ignoranz gegenüber Ideologie – in Teilen der BWL trägt manchmal schon seltsame Blüten.

„In der Unternehmungskultur wurzelt das Verhalten der Mitarbeiter und Führungskräfte. Sie stellt einen Bezugspunkt dar, der den Beschäftigten Halt gibt. Erweist sich dieser Halt als bremsend, ist ein kultureller Wandel unausweichlich. Er beginnt mit einer Veränderung des Leitbilds. Auf den darin enthaltenen Werten aufbauend sind verbindliche Grundsätze der Führung und Zusammenarbeit zu entwickeln. Die Verankerung in den Köpfen geschieht in erster Linie über symbolisches Management. Beispielhaft kann CONTINENTAL AIRLINES genannt werden. Die im sogenannten „Du-sollst-nicht-Buch“ festgehaltenen Regelungen und Anweisungen lähmten die Eigeninitiative der Beschäftigten und verhinderten jegliches Entgegenkommen einem Kunden gegenüber. Im Rahmen eines Turnarounds wurden diese Bücher auf dem Firmengelände aufgehäuft und öffentlich verbrannt.“ (Krüger, W./Becker, L. (2001): Warum Restrukturierungen versanden, und wie Sie das vermeiden, Arbeitspapier Nr. 1/2001 des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre II, Justus-Liebig-Universität Gießen. http://www.larissa-becker.de/warum_restrukturierungen_versanden.pdf (hier S. 18).

Die Autoren beziehen sich hier auf einen Bericht von Greg Brenneman (ja, der heißt wirklich so), dem damaligen CEO con Continental Airlines, der im Original  so klingt:

„We also told our employees we believed in them. They knew how to treat customers right, and we moved quickly to let them do just that. In the past, any time an employee provided a benefit for a customer that was considered unacceptable, the bankers and lawyers running Continental would write a rule documenting the proper action. Over the years, these rules were accumulated into a book about nine inches thick known as the Thou Shalt Not book. Employees couldn’t possibly know the entire contents of the book. When in doubt, everyone knew it was advised just to let the customers fend for themselves. In early 1995, we took the Thou Shalt Not book to a  company parking lot. We got a 55-gallon drum, tossed the book inside, and poured gasoline all over it. In front of a crowd of employees, we lit a match to it. Our message was this: Continental is your company to make great. Go do it – now.“ (Brenneman, G. (1998): Right Away and All at Once: How We Saved Continental. In: Harvard Business Review, September-October: 1–12; Krüger und Becker führen die deutsche Ausgabe des Harvard Busines Review als Quelle an; ich habe hier das Original-Zitat bevorzugt).

Da vergeht einem das Lachen.

(Danke an Heiko Hoßfeld für den Hinweis, Foto: http://www.flickr.com/photos/ender.)

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