"Deutschland liegt bei den Arbeitskosten im Mittelfeld"

Neue IMK-Untersuchung für Deutschland und Europa der Hans-Böckler-Stiftung (hier die vollständige Pressemitteilung mit Abbildungen zum Download)
„Deutschland liegt bei den Arbeitskosten für die Privatwirtschaft im Mittelfeld der EU15-Staaten – hinter den meisten nord- und westeuropäischen Industrieländern. 2004 mussten deutsche Arbeitgeber pro geleisteter Arbeitsstunde im Verarbeitenden Gewerbe und im privaten Dienstleistungsbereich 26,22 Euro aufwenden. Höher liegen die Arbeitskosten in Dänemark, Schweden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, den Niederlanden und Finnland – zwischen 30,70 Euro und 26,80 Euro pro Stunde. Geringfügig niedriger als in der Bundesrepublik sind die Arbeitskosten in Österreich (25,30 Euro) und Großbritannien (24,70 Euro). Einen deutlicheren Abstand gibt es nur zu den „alten“ EU-Mitgliedern in Südeuropa sowie zu den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern (siehe Abbildung 1 in der Pressemitteilung als pdf). Sehr ungewöhnlich ist die im internationalen Vergleich deutliche Spaltung zwischen relativ hohen Arbeitskosten und Löhnen im deutschen Verarbeitenden Gewerbe und relativ niedrigen Arbeitskosten im Dienstleistungssektor. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. „Die Zahlen lassen die These abwegig erscheinen, Deutschland habe aufgrund zu hoher Arbeitskosten Wettbewerbsprobleme auf den Weltmärkten oder auf den heimischen Absatzmärkten“, sagt PD Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Eine deutsche Spitzenstellung bei den Arbeitskosten, wie sie bisweilen behauptet wird, ist nicht zu erkennen. Deutschland liegt vielmehr in einem Feld mit seinen wichtigsten Handelspartnern und Konkurrenten“, so Horn. Zudem stiegen seit Mitte der neunziger Jahre die Arbeitskosten ebenso wie die Lohnstückkosten in Deutschland deutlich langsamer als in den anderen Ländern. Die IMK-Forscher nutzen für ihre Studie, die am heutigen Mittwoch als IMK Report erscheint*, aktuelle Zahlen aus dem neuen Arbeitskostenindex (AKI) der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Der AKI erlaubt einen konsistenteren internationalen Vergleich auf breiterer Basis als bisher verfügbare Datenquellen, die beispielsweise das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) verwendet hat. Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Arbeitnehmerentgelt die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen sowie als Arbeitskosten geltende Steuern.“ Hier finden Sie den Report des IMK.

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