Wer hat’s erfunden und durchgesetzt: Umdeutung/ Reframing der Geschichte?

Aha. Ludwig Erhard verdanken wir das 13. Monatsgehalt? – Uwe Fuhrmann meint, das stimmt nicht. Sehe ich auch so. Wäre gut, wenn man das mit guten Quellen zeigen könnte.

Wer twittert solche Behauptungen? Die Bonner Akademie (BAPP). „Die BAPP ist eine neuartige Lehr- und Forschungseinrichtung, die aktuelle Themen aus Wirtschaft, Medien und Politik praxisnah analysiert und diskutiert.“ Zur Zusammensetzung des Kuratoriums https://www.bapp-bonn.de/die-akademie/kuratorium.

 

Werbeanzeigen

Empirische Forschung: Arbeits(un)zufriedenheit von Uber-Fahrern

Laura Windfeder (Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen) hat in ihrer sehr guten Bachelorarbeit Gründe für die geringe Arbeitszufriedenheit von Uber-Fahrern untersucht. Dazu wurden die am meisten gelesenen 200 Beiträge eines Diskussionsforums der Internetseite uberpeople.net ausgewertet. Insgesamt zeigt sich, dass die Uber-Fahrer unter der fehlenden Anerkennung leiden, sie nehmen das Unternehmen als respektlos und teilweise ignorant wahr. (Werner Nienhüser) Siehe mehr über Uber auch hier.

Gastbeitrag von Laura Windfeder

Das von Travis Kalanick und Garret Camp gegründete Personenbeförderungsunternehmen Uber (https://www.uber.com/de/de/) bietet durch den unkomplizierten Gebrauch einer App eine beliebte Alternative zu traditionellen Taxiunternehmen. Mittels dieser App lässt sich in vielen Städten der Welt durch einen Klick ein privater Fahrer anfragen, der meist nur wenige Minuten vom eigenen Standort entfernt ist. Das ursprüngliche Geschäftskonzept beinhaltet, dass Privatleute ohne Personenbeförderungsschein oder andere derartige Qualifikationen als Fahrer fungieren. Die Fahrer sind hierbei lediglich „Partner“ des Unternehmens, also keine Angestellten, da Uber nur die Rolle einer Vermittlungsinstanz zwischen Fahrgast und Fahrer einnimmt. Die Fahrer gelten damit als selbstständig, wodurch das Unternehmen Kosten wie Sozialabgaben oder Versicherungskosten für die Fahrer einspart.
In den Medien fällt das Unternehmen oft durch negative Schlagzeilen auf (vgl. Tagesschau 2018). Kritisiert werden unter anderem das Überschreiten rechtlicher Grenzen, generell die Unternehmensethik, vor allem aber der Umgang mit den Uber-Fahrern. Die Fahrer fühlen sich durch das Unternehmen unangemessen und unfair behandelt, regelrecht ausgebeutet (vgl. Reintjes 2019).

Trotz des großen Medieninteresses wurden die Arbeitsbedingungen von Uber-Fahrern noch nicht oft untersucht. Das Buch „UBERLAND: How Algorithms are rewriting the Rules of Work” von Alex Rosenblat kritisiert zwar das Unternehmen Uber als Ganzes und geht dabei auf das unethische Verhalten der Silicon-Valley-Unternehmen ein, behandelt jedoch nicht explizit die Arbeitsbedingungen von Uber-Fahrer.
Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich untersucht, welche Gründe für die geringe Arbeitszufriedenheit der Uber-Fahrer verantwortlich sind und welche Arbeitsbedingungen zu der geringen Arbeitszufriedenheit führen.
Für die Untersuchung habe ich eine Internetforenanalyse durchgeführt, in der die Meinungen und Erfahrungen der Uber-Fahrer ausgewertet wurden. Die Datenbasis bildeten 200 Beiträge eines Diskussusionsforums der Internetseite uberpeople.net. Analysiert wurden Beiträge aus dem Forum „Complaints“ (Beschwerden), daher geht es in der Arbeit weniger um Arbeitszufriedenheit, sondern um Arbeitsunzufriedenheit und woher die Unzufriedenheit rührt. Das Forum wird international genutzt, wodurch die analysierten Beschwerden von Fahrern aus der ganzen Welt stammen. Für die Analyse habe ich lediglich themeninitiierende Beiträge berücksichtigt. Dies sind Beiträge, die ein neues Thema einleiten und damit einen Thread eröffnen. In diesem Thread können andere Nutzer auf den themeninitiierenden Beitrag antworten und über das eröffnete Thema diskutieren. Die Beschwerden der Fahrer wurden in ein selbst entwickeltes Kategoriensystem eingeordnet, welches auf dem DGB-Index Gute Arbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes basiert (vgl. Fuchs 2007). Der DGB-Index Gute Arbeit ist ein Maß zur Beurteilung von Arbeitsqualität aus Sicht der Arbeitnehmer. Er gibt einen Überblick über die Gesamtsituation am Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen aus Sicht der Beschäftigten. Während der Bearbeitung der Forenbeiträge wurde der DGB-Index Gute Arbeit induktiv erweitert, wodurch sich ein Kategoriensystem bildete, welches auf den Arbeitsbereich und die dazugehörigen Arbeitsbedingungen der Uber-Fahrer abgestimmt ist.

Bei der Analyse der Forenbeiträge wurde eine qualitative mit einer quantitativen Analyse kombiniert. Erstens habe ich eine Inhaltsanalyse durchgeführt, die die allgemeinen Stimmungen und Meinungsrichtungen der Fahrer qualitativ erfasst. Zweitens wurden die Häufigkeiten der Beschwerdekategorien ausgezählt, um einen Eindruck davon zu bekommen, welche Beschwerden häufig sind und welche Arbeitsbedingungen von den Fahrern als problematisch und unzufriedenmachend angesehen werden.

Die Auszählung ergab, dass die meisten Beschwerdegründe das Benehmen der Passagiere, Entscheidungen des Managements, generell das Geschäftskonzept Uber und die unzureichende Hilfe oder Beantwortung von Fragen durch den Uber Support Service betreffen.
Ein Beispiel für typische Beschwerden über das Benehmen von Passagieren ist der folgende Auszug aus einem Diskussusionsbeitrag:

„ […] He’s stupid drunk and belligerent. Insists on smoking in my car and I refuse to let him so he makes me pull over so he can smoke. This was a five minute trip. He’s gone for another 10 minutes and comes back (he had already threatened me with a 1-star rating and left his things in my car). […] He was awful the whole ride […]”.


Ein weiteres Thema, das in den Forenbeiträgen oft diskutiert wird, ist das Einbehalten von Geldbeträgen seitens des Unternehmens und damit das Hintergehen der Fahrer:


“Long story short, Driver saw pax (im Slang der Fahrer werden die Fahrgäste als “pax” bezeichnet, L.W.) entered a $10 tip but never received it, Instead Uber rewarded itself with a $12.45 booking fee. I am glad the fella fought and got his money back from the greedy company. Actually greedy is an understatement, More like criminals. […]“


Auch für die häufigen Senkungen der Fahrpreise und für die Fahrer willkürlich scheinende Änderungen des Geschäftskonzepts zum Nachteil der Fahrer ist ein Thema in vielen Beschwerden. Ein repräsentatives Beispiel für die Änderungen von Fahrpreisen bietet folgender Auszug eines Beitrags:


„Got an email today that stated they are increasing our time pay by 88% but cutting our mileage by 15%. This shows that UBER really believes that drivers are mindless @@@@@@s.
88% increase in time .06125 x 88% = .0539 Total = .1151 ($6.91 per hour)
15% decrease in mileage .7125 x 15% = .10687 Total .6056
This equates to a roughly 3%-4% paycut […]”


Die größten Kritikpunkte der Uber-Fahrer richten sich damit sowohl auf die Unternehmenskultur von Uber als auch auf Variablen, die das Unternehmen auf den ersten Blick bzw. nicht direkt beeinflussen kann. So mag man argumentieren, dass man das Unternehmen Uber nicht dafür verantwortlich machen kann, wenn sich Passagiere schlecht benehmen oder dass beispielsweise unbezahlte Leerfahrten vorkommen. Man könnte dies als Probleme ansehen, die generell in der Branche der Personenbeförderung anfallen. Allerdings gibt es bei Uber nach meinem Eindruck keinerlei Absichten, die Wartezeiten der Fahrer zu reduzieren, sich schlecht benehmende Fahrgäste zu sanktionieren oder Fahrern bei Bedrohungen oder Angriffen durch Fahrgäste zu Hilfe zu kommen. Wenn Fahrer Hilfe suchen und Verbesserungsmöglichkeiten vorschlagen, erhalten sie häufig keine Antwort vom Unternehmen. Im Kontrast hierzu haben Taxifahrer herkömmlicher Unternehmen die Möglichkeit, sich bei Problemen an die Taxizentrale zu wenden. Außerdem können Taxifahrer Hilfe bei ihren Kollegen suchen. Da Uber allerdings lediglich eine Vermittlungsinstanz zwischen Fahrer und Fahrgast darstellt, können Uber-Fahrer bei Problemen nicht direkt eine Zentrale erreichen. Auch der Kontaktaufbau zu anderen Fahrern ist durch die App nicht möglich.

Die Fahrer, so ein Ergebnis meiner Studie, leiden unter der fehlenden Anerkennung, sie nehmen das Unternehmen als respektlos und teilweise ignorant wahr.

Literatur

Fuchs, Tatjana (2007): Arbeitsqualität aus Sicht von jungen Beschäftigten (unter 30 Jahren) – Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2007. Online verfu?gbar unter
https://index-gute-arbeit.dgb.de/veroeffentlichungen/sonderauswertungen (abgerufen am 08.03.2019).

Reintjes, Dominik (2019): Eine Stadt sagt Uber und Lyft den Kampf an.
https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/ride-austin-eine-stadt-sagt-uber-undlyft- den-kampf-an/24085230.html (abgerufen am 16.03.2019).

Tagesschau (2018a): BGH entscheidet u?ber „Uber Black“ – US Fahrdienst.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/uber-bgh-101.html (abgerufen am 17.03.2019).

Quelle des Bildes: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/13/U_Ningbo_1.jpg

 

Wer mehr verdient – genauer: ein höheres Einkommen hat – lebt länger…

Österreich: Die reichsten 1 Prozent besitzen rund 40 Prozent des gesamten Vermögens

FR schreibt: Wie Näherinnen in Sri Lanka für C&A schuften

Wie Gewerkschaftsmitglieder bei der Europawahl gewählt haben

Sozialstaatsdebatte: Enteignungen oder mehr Regulierung am Wohnungsmarkt (von Herbert Bludau-Hoffmann)

Sozialstaatsdebatte: Enteignungen oder mehr Regulierung am Wohnungsmarkt

Gastbeitrag von Herbert Bludau-Hoffmann*

Die Berliner Initiative zur Enteignung von Immobilienkonzernen „Deutsche Wohnen Co. enteignen“ (1) hat schon jetzt erreicht, dass wieder mehr über die soziale Verantwortung des Eigentums diskutiert wird. Die Diskussionen um die Enteignung von Wohnungsbeständen der Immobilienkonzerne haben sogar die Debatten um die dringend notwendige Regulation des Wohnungsmarktes überlagert. Das ist auch kein Wunder vor dem Hintergrund von einerseits stark steigenden Mieten bei gleichzeitig steigenden Gewinnen der Immobilienunternehmen. Für Familien mit mittleren und niedrigen Einkommen wird es zunehmend schwieriger, in den Ballungsräumen noch angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zu bekommen.

Sogar die besser verdienenden Mittelschichten, die über ein Eigenheim in den „Speckgürteln“ der größeren Städte verfügen, erleben die Mietsteigerungen spätesten dann, wenn ihre Kinder am Studienort auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind.

Durch die Privatisierung ehemaliger kommunaler Wohnungsbestände der Großstädte verfügen Immobilienkonzerne mittlerweile über Tausende von Wohnungen. Das ist einerseits wettbewerbspolitisch fragwürdig. Andererseits haben die Kommunen damit die Steuerungsmöglichkeit in der Wohnungspolitik und bei der Mietentwicklung aus der Hand gegeben, mit den entsprechenden negativen sozialpolitischen Folgewirkungen. Oft werden die mittlerweile riesigen Wohnungsbestände der Immobilienunternehmen unzureichend in Stand gehalten, um sie anschließend aufwendig modernisieren und dann über die gesetzlich erlaubte Modernisierungsumlage auch noch durch die Mieter finanzieren zu lassen.

Im übrigen kommen so ganz nebenbei auch noch die Wertsteigerungen der Immobilien im Gefolge des reichlich vorhandenen anlagesuchenden Kapitals den entsprechenden Immobilienunternehmen zu Gute. Über grandiose Gewinnsteigerungen und Dividendenausschüttungen der Immobilienunternehmen darf man sich dann nicht mehr wundern. Immobilienbesitzer konnten über die letzten Jahre teilweise den Wert ihrer Immobilien verdoppeln, ohne etwas dafür zu tun. DIW-Chef Marcel Fratzscher kritisiert das mit folgenden Worten: „Wenn dann Mieter vor die Tür gesetzt oder unter Druck gesetzt werden, exorbitante Mietpreissteigerungen zu zahlen, dann ist etwas aus dem Lot geraten.“ (2) Am Immobilien- und Wohnungsmarkt findet faktisch eine Umverteilung von Mietern mit mittleren und niedrigen Einkommen hin zum Kapitalvermögen der Immobilienunternehmen statt. (3)

Vielleicht hätte man das erfolgreiche Beispiel der Wohnungspolitik der Stadt Wien als Folie für eine soziale kommunale Politik nehmen sollen. Dort ist man der neoliberalen Marktlogik dadurch entgangen, dass man die kommunalen Wohnungsbestände nicht privatisiert, strenge Mieterschutzgesetze erlassen und viel Geld in öffentlichen Wohnraum investiert hat. Heute kontrolliert die Stadt Wien große Teile des Wohnungsmarktes mit nach wie vor positiven Auswirkungen auf das Niveau der Mieten. (4) Ein gutes Beispiel dafür, dass der Markt nicht alles besser regelt als der Staat. „Der Immobilienmarkt funktioniert nicht allein mit privaten Lösungen. Hier brauchen wir gezielt Eingriffe. Dazu gehört auch, dass ein relevanter Teil der Wohnungen in öffentlichen oder genossenschaftlichen Besitz ist…..Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Leute mit geringen Einkommen können es nur befriedigen, wenn es ein Angebot günstiger Wohnungen durch Unternehmen gibt, die nicht in erster Linie dem Profitinteresse gehorchen.“ (5)

Wenn nun durch die Berliner Initiative an das Grundgesetz und die darin enthaltene Bindung des Eigentums an das Gemeinwohl erinnert wird, dann ist das nur zu begrüßen. Werfen wir einen Blick in den Gesetzestext des Grundgesetzes, z.B. in Artikel 15: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum…..überführt werden.“ Die „neoliberalen Populisten“ der FDP waren auch erwartungsgemäß mit dem Vorschlag zur Stelle, das Grundgesetz zu ändern. Soweit zur Grundgesetztreue der FDP, wenn es um dringende soziale Probleme in der Gesellschaft geht. Kapital hat eben Vorfahrt. (6) In anderen Politikbereichen sind übrigens Enteignungen an der Tagesordnung, z.B. wenn es um die Realisierung von verkehrspolitischen Großprojekten und den Bau von Straßen und Autobahnen geht.

Enteignungen sind ja faktisch nichts anderes als im Falle des Wohnungsmarktes ein gesetzlich angeordneter Verkauf von Wohnungbeständen der Immobilienkonzerne an z.B. die Kommunen. Dabei kann und darf man allerdings skeptisch sein, ob Enteignungen finanzierbar und realisierbar sind für schnelle Problemlösungen am Wohnungsmarkt. Die Diskussionen über Enteignungen als „letztes Mittel“ des Staates zur Lösung von sozialen Problemen verweisen aber zu Recht auf die Defizite der Wohnungspolitik und Privatisierungswellen der letzten Jahre.

Notwendig sind aber jetzt auch überfällige Debatten zu einzelnen Aspekten einer stärkeren Regulierung des Wohnungsmarktes und der Förderung des gemeinnützigen und genossenschaftlichen Wohnungsbaus. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen des großstädtischen Raumes an die Konzepte und Ideen von Wohnungspolitik sehr deutlich im Vergleich zu denen des von Abwanderung bedrohten ländlichen Raums. Auch muss unterschieden werden zwischen denjenigen, die Wohneigentum suchen und erwerben wollen und solchen, die sich Eigentum nicht leisten können und auf bezahlbare Mieten angewiesen sind.

Im Fokus stehen sollen hier soziale Aspekte im Wohnungsbau in Städten und Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt. (7) Was ist zu fordern und zu tun?

1. Wohnraum muss bezahlbar sein.

  • Mietendeckel einführen zum einfrieren der Mieten auf ihrem derzeitigen Niveau in Verbindung mit allgemeingültigen
  • Mietobergrenzen, die nach Kriterien wie Baujahr, Ausstattung und Wohnungsgröße festgelegt werden und die bei Überschreitungen auch zu Mietsenkungen führen können (8).
  • Absenkung bzw. Aussetzung der Modernisierungsumlage, über die bisher die Modernisierungskosten auf die Mieter umgelegt werden (bei gleichzeitiger öffentlicher Förderung sinnvoller energetischer Modernisierung).
  • Dauerhafte Mietpreisbindung im sozialen Wohnungsbau und Ablösung der bisher nur befristeten Mietpreisbindung.
  • Verbandsklagerecht zur Sanktionierung von Verstößen gegen die Mietpreisbremse etc. einführen.

2. Es muss deutlich mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.

  • Quoten für den sozialen Wohnungsbau in allen neu zu planenden Wohnquartieren der Kommunen vorschreiben.
  • Abkehr vom Höchstgebotverfahren beim Verkauf von öffentlichen Grundstücken; vielmehr Verkauf nach wohnungspolitischen und sozialpolitischen Kriterien.
  • Erschließung von Brachflächen in öffentlichem Eigentum und preisgünstige Zurverfügungstellung vorrangig für gemeinnützige und genossenschaftliche Wohnungsbaugesellschaften.
  • Erlass von Baugeboten für brachliegende Grundstücke unter Androhung von Enteignungsmaßnahmen als letztes Mittel zur Realisierung von Wohnungsprojekten (9).
  • Neuausweisung von Bauland durch Umwandlung von u.a. bisher landwirtschaftlich oder gewerblich genutzen Flächen in Bauland, mit der Auflage, bezahlbares Wohnen nach festgelegten Kriterien zu ermöglichen und zu realisieren.

3. Mit dem Prinzip „Markt geht vor Staat“ muss gebrochen werden.

  • Einführung einer Privatisierungsbremse im Wohnungsbau auf allen staatlichen Ebenen zur Vermeidung eines noch größeren Mangels an bezahlbarem Wohnraum.
  • Einführung einer neuen Wohngemeinnützigkeit, die die Errichtung von bezahlbarem Wohnraum und die Begrenzung von Gewinnausschüttungen steuerlich begünstigt.
  • Stärkung und Neugründung öffentlicher und gemeinwohlorientierter Wohnungsunternehmen in Städten und Regionen mit angespanntem Mietwohnungsmarkt.

Das sind einige Bausteine zur Regulierung des Wohnungsmarktes. Die Liste ist sicherlich nicht vollständig. Den weiteren Debatten in den Kommunen, den Ländern und auf Bundesebene bleibt es vorbehalten, dass entsprechende Themen diskutiert und anschließend möglichst viel davon umgesetzt werden. (10).

  • Über den Autor: Herbert Bludau-Hoffman ist Volkswirt und Ver.di-Gewerkschaftssekretär (in Altersteilzeit).

Fußnoten:

  1. https://www.dwenteignen.de
  2. vgl. DIW-Chef zu Kühnert-Aussagen: „Es gibt viel Missbrauch in der sozialen Marktwirtschaft“ auf Spiegel-online vom 04.05.2019
  3. vgl. Joseph Vogl „Es muß nicht ewig so weitergehen“ im „Freitag“ vom 09.05.2019
  4. vgl. Ralf Leonhard „Spekulanten ausbremsen“ in der „taz“ vom 26.04.2019
  5. vgl. Gustav Horn „Die Besitzverhältnisse sind nicht entscheidend“ in der taz vom 07.05.2019
  6. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-und-enteignen
  7. vgl. verdi-Positionspapier „Gutes Wohnen – Arbeiten – Leben; Berlin 02.2019
  8. vgl. Erik Peter „Mietendeckel in Berlin: Der beste aller Deckel“ in taz v. 06.05.2019 mit Bezugnahme auf ein aktuelles Eckpunktepapier der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
  9. https://www.spiegel.de/politik/Deutschland/robert-habeck-haelt-enteignungen-notfalls-fuer-denkbar
  10. Siehe zu weiteren Analysen und Vorschlägen insb. die Arbeiten von Heinz-J. Bontrup, etwa hier: https://www.fr.de/wirtschaft/renditejagd-stoppen-12198096.html und hier: https://www.linksfraktion.de/fileadmin/user_upload/PDF_Dokumente/180910_Vonoviastudie_Bontrup.pdf

Bildquelle: Stadtarchiv 83714 Miesbach; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:25-Pikola-Wohnungen.jpg