„Neue Option: Grün-Rot-Rot?“ Beitrag von Herbert Bludau-Hoffmann

Neue Option: Grün-Rot-Rot?“ Beitrag von Herbert Bludau-Hoffmann

Herbert Bludau-Hoffmann hat einen lesenswerten Blog-Beitrag im „Freitag“ veröffentlicht (zur Freitag-Community hier).

Bludau-Hoffmann schreibt: „Der Höhenflug der Grünen und das Schwächeln nicht nur der SPD, sondern auch der CDU, lässt plötzlich eine machtpolitisch interessante Bündniskonstellation sichtbar werden: Grün-Rot-Rot. Die Grünen haben die aktuellen Trends und Themen mit dem Klimaschutz und Mobilitäts- und Umweltpolitik auf ihrer Seite. Es gibt noch keine Anzeichen dafür, dass die Grünen nicht auch weiterhin grandiose Wahlergebnisse einfahren werden und das zu Recht, vor dem Hintergrund der zögerlichen Klimapolitik der Bundesregierung. Allerdings wird die Bündnisoption Grün-Rot-Rot nur zum Tragen kommen, wenn die SPD und Die Linke ihr Wählerpotential stärker mobilisieren können. Das wird aber nicht ausreichend funktionieren, wenn beide Parteien versuchen, die Themen der Grünen nur zu kopieren. Da gibt es sicherlich thematischen Nachholbedarf. Aber entscheidend ist nach meiner Einschätzung die Neuformulierung einer sozialdemokratischen Agenda für die SPD und glaubhafte und mutige Politikangebote zu sozialer Gerechtigkeit und einem modernen starken Sozialstaat. Dass sogar die klassischen sozialdemokratischen Wähler heute nicht mehr richtig erkennen können, wofür die SPD steht, sollte zu denken geben .. . Wer allerdings schon im Wahlkampf oder kurz nach der Wahl die eigenen Themen wieder vergisst oder die eigene Agenda in einer Großen Koalition nur unzureichend durchbringt, hat ein Problem. Erschwerend kommt hinzu, dass es wohl nicht nur materielle Themen sind, die die Sozialdemokratie von ihrer klassischen Wählerschaft entfremdet hat. In einer aktuellen von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie heißt es: „Die Entfremdung zwischen Sozialdemokratie und sozial schwächeren Wahlberechtigten findet ….zeitgleich auf kultureller und klassisch materieller Links-Rechts-Konfliktachse statt“ .. .

Was sollten die wesentlichen Elemente einer neuen sozialdemokratischen Neuausrichtung bei den Themenfeldern Sozialstaat, fairer Arbeit und sozialer Gerechtigkeit sein?“

Bludau-Hoffmann nennt vier Bereiche, in denen eine Neuausrichtung erfolgen sollte:

„1) Reichtum begrenzen und umverteilen“
„2) Wohlfahrtsstaat ausbauen und Wert der Arbeit stärken“
„3) Atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse zurückdrängen“
„4) Bruch mit dem Prinzip „Markt geht vor Staat“ und mehr Steuerungsfähigkeit des Staates“

Detallierte Ausführungen zu den einzelnen Bereichen finden Sie hier: https://www.freitag.de/autoren/herby/neue-option-gruen-rot-rot

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ampel_rot.jpg

 

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Interesting project: „SUNI – Smart Unions for New Industry. Approaching the end, time for assessment“

This is an interesting project. Here is an exerpt of a newsletter I received with the most important information. More see here: http://suniproject.adapt.it/

„Started in January 2018, the final stage of the SUNI (Smart Unions for New Industry) is now approaching. Thanks to co-funding from the European Commission, three metalworkers’ organisations and four research institutes from Germany, Italy, Spain and Sweden, have teamed up over the past 18 months to deepen the role of trade unions in relation to Industry 4.0 and gain expertise within the union context.“

„Nobody has a crystal ball to look into the digital future and there is no such thing as technological determinism related to digitalisation» (ETUC, 2016). Workers’ representatives are therefore urged to take action to collectively and sustainably shape the future of work.“

„The structure of SUNI is built upon 3 main work streams:

  1. Preliminary research, which led to
    a. the production of 4 national reports on Germany, Italy, Spain and Sweden and 1 comparative report;
    b. the organisation of an international meeting in Lulea (Sweden) where presenting the preliminary results of the project to the presence of Swedish stakeholders;
  2. Capacity building, which led to:
    a. the organisation and development of 4-day national training courses in Italy, Spain and Sweden with the participation of around 60 people among trade unionists and workers’ representatives;
    b. the organisation of a 3-day study trip to Bochum (Germany) where all partners visited the Learning Factory of the Ruhr University of Bochum;
    c. the draft of a handbook on “workers’ reps 4.0” in English and its translated versions in German, Italian, Spanish and Swedish;
  3. Dissemination, mainly comprising the creation of a project’s website and Twitter account and the organisation of a Final conference in Brussels (Belgium).

This infographic is intended to sum up the main results of this project.“

Wer hat’s erfunden und durchgesetzt: Umdeutung/ Reframing der Geschichte?

Aha. Ludwig Erhard verdanken wir das 13. Monatsgehalt? – Uwe Fuhrmann meint, das stimmt nicht. Sehe ich auch so. Wäre gut, wenn man das mit guten Quellen zeigen könnte.

Wer twittert solche Behauptungen? Die Bonner Akademie (BAPP). „Die BAPP ist eine neuartige Lehr- und Forschungseinrichtung, die aktuelle Themen aus Wirtschaft, Medien und Politik praxisnah analysiert und diskutiert.“ Zur Zusammensetzung des Kuratoriums https://www.bapp-bonn.de/die-akademie/kuratorium.

 

Empirische Forschung: Arbeits(un)zufriedenheit von Uber-Fahrern

Laura Windfeder (Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen) hat in ihrer sehr guten Bachelorarbeit Gründe für die geringe Arbeitszufriedenheit von Uber-Fahrern untersucht. Dazu wurden die am meisten gelesenen 200 Beiträge eines Diskussionsforums der Internetseite uberpeople.net ausgewertet. Insgesamt zeigt sich, dass die Uber-Fahrer unter der fehlenden Anerkennung leiden, sie nehmen das Unternehmen als respektlos und teilweise ignorant wahr. (Werner Nienhüser) Siehe mehr über Uber auch hier.

Gastbeitrag von Laura Windfeder

Das von Travis Kalanick und Garret Camp gegründete Personenbeförderungsunternehmen Uber (https://www.uber.com/de/de/) bietet durch den unkomplizierten Gebrauch einer App eine beliebte Alternative zu traditionellen Taxiunternehmen. Mittels dieser App lässt sich in vielen Städten der Welt durch einen Klick ein privater Fahrer anfragen, der meist nur wenige Minuten vom eigenen Standort entfernt ist. Das ursprüngliche Geschäftskonzept beinhaltet, dass Privatleute ohne Personenbeförderungsschein oder andere derartige Qualifikationen als Fahrer fungieren. Die Fahrer sind hierbei lediglich „Partner“ des Unternehmens, also keine Angestellten, da Uber nur die Rolle einer Vermittlungsinstanz zwischen Fahrgast und Fahrer einnimmt. Die Fahrer gelten damit als selbstständig, wodurch das Unternehmen Kosten wie Sozialabgaben oder Versicherungskosten für die Fahrer einspart.
In den Medien fällt das Unternehmen oft durch negative Schlagzeilen auf (vgl. Tagesschau 2018). Kritisiert werden unter anderem das Überschreiten rechtlicher Grenzen, generell die Unternehmensethik, vor allem aber der Umgang mit den Uber-Fahrern. Die Fahrer fühlen sich durch das Unternehmen unangemessen und unfair behandelt, regelrecht ausgebeutet (vgl. Reintjes 2019).

Trotz des großen Medieninteresses wurden die Arbeitsbedingungen von Uber-Fahrern noch nicht oft untersucht. Das Buch „UBERLAND: How Algorithms are rewriting the Rules of Work” von Alex Rosenblat kritisiert zwar das Unternehmen Uber als Ganzes und geht dabei auf das unethische Verhalten der Silicon-Valley-Unternehmen ein, behandelt jedoch nicht explizit die Arbeitsbedingungen von Uber-Fahrer.
Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich untersucht, welche Gründe für die geringe Arbeitszufriedenheit der Uber-Fahrer verantwortlich sind und welche Arbeitsbedingungen zu der geringen Arbeitszufriedenheit führen.
Für die Untersuchung habe ich eine Internetforenanalyse durchgeführt, in der die Meinungen und Erfahrungen der Uber-Fahrer ausgewertet wurden. Die Datenbasis bildeten 200 Beiträge eines Diskussusionsforums der Internetseite uberpeople.net. Analysiert wurden Beiträge aus dem Forum „Complaints“ (Beschwerden), daher geht es in der Arbeit weniger um Arbeitszufriedenheit, sondern um Arbeitsunzufriedenheit und woher die Unzufriedenheit rührt. Das Forum wird international genutzt, wodurch die analysierten Beschwerden von Fahrern aus der ganzen Welt stammen. Für die Analyse habe ich lediglich themeninitiierende Beiträge berücksichtigt. Dies sind Beiträge, die ein neues Thema einleiten und damit einen Thread eröffnen. In diesem Thread können andere Nutzer auf den themeninitiierenden Beitrag antworten und über das eröffnete Thema diskutieren. Die Beschwerden der Fahrer wurden in ein selbst entwickeltes Kategoriensystem eingeordnet, welches auf dem DGB-Index Gute Arbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes basiert (vgl. Fuchs 2007). Der DGB-Index Gute Arbeit ist ein Maß zur Beurteilung von Arbeitsqualität aus Sicht der Arbeitnehmer. Er gibt einen Überblick über die Gesamtsituation am Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen aus Sicht der Beschäftigten. Während der Bearbeitung der Forenbeiträge wurde der DGB-Index Gute Arbeit induktiv erweitert, wodurch sich ein Kategoriensystem bildete, welches auf den Arbeitsbereich und die dazugehörigen Arbeitsbedingungen der Uber-Fahrer abgestimmt ist.

Bei der Analyse der Forenbeiträge wurde eine qualitative mit einer quantitativen Analyse kombiniert. Erstens habe ich eine Inhaltsanalyse durchgeführt, die die allgemeinen Stimmungen und Meinungsrichtungen der Fahrer qualitativ erfasst. Zweitens wurden die Häufigkeiten der Beschwerdekategorien ausgezählt, um einen Eindruck davon zu bekommen, welche Beschwerden häufig sind und welche Arbeitsbedingungen von den Fahrern als problematisch und unzufriedenmachend angesehen werden.

Die Auszählung ergab, dass die meisten Beschwerdegründe das Benehmen der Passagiere, Entscheidungen des Managements, generell das Geschäftskonzept Uber und die unzureichende Hilfe oder Beantwortung von Fragen durch den Uber Support Service betreffen.
Ein Beispiel für typische Beschwerden über das Benehmen von Passagieren ist der folgende Auszug aus einem Diskussusionsbeitrag:

„ […] He’s stupid drunk and belligerent. Insists on smoking in my car and I refuse to let him so he makes me pull over so he can smoke. This was a five minute trip. He’s gone for another 10 minutes and comes back (he had already threatened me with a 1-star rating and left his things in my car). […] He was awful the whole ride […]”.


Ein weiteres Thema, das in den Forenbeiträgen oft diskutiert wird, ist das Einbehalten von Geldbeträgen seitens des Unternehmens und damit das Hintergehen der Fahrer:


“Long story short, Driver saw pax (im Slang der Fahrer werden die Fahrgäste als “pax” bezeichnet, L.W.) entered a $10 tip but never received it, Instead Uber rewarded itself with a $12.45 booking fee. I am glad the fella fought and got his money back from the greedy company. Actually greedy is an understatement, More like criminals. […]“


Auch für die häufigen Senkungen der Fahrpreise und für die Fahrer willkürlich scheinende Änderungen des Geschäftskonzepts zum Nachteil der Fahrer ist ein Thema in vielen Beschwerden. Ein repräsentatives Beispiel für die Änderungen von Fahrpreisen bietet folgender Auszug eines Beitrags:


„Got an email today that stated they are increasing our time pay by 88% but cutting our mileage by 15%. This shows that UBER really believes that drivers are mindless @@@@@@s.
88% increase in time .06125 x 88% = .0539 Total = .1151 ($6.91 per hour)
15% decrease in mileage .7125 x 15% = .10687 Total .6056
This equates to a roughly 3%-4% paycut […]”


Die größten Kritikpunkte der Uber-Fahrer richten sich damit sowohl auf die Unternehmenskultur von Uber als auch auf Variablen, die das Unternehmen auf den ersten Blick bzw. nicht direkt beeinflussen kann. So mag man argumentieren, dass man das Unternehmen Uber nicht dafür verantwortlich machen kann, wenn sich Passagiere schlecht benehmen oder dass beispielsweise unbezahlte Leerfahrten vorkommen. Man könnte dies als Probleme ansehen, die generell in der Branche der Personenbeförderung anfallen. Allerdings gibt es bei Uber nach meinem Eindruck keinerlei Absichten, die Wartezeiten der Fahrer zu reduzieren, sich schlecht benehmende Fahrgäste zu sanktionieren oder Fahrern bei Bedrohungen oder Angriffen durch Fahrgäste zu Hilfe zu kommen. Wenn Fahrer Hilfe suchen und Verbesserungsmöglichkeiten vorschlagen, erhalten sie häufig keine Antwort vom Unternehmen. Im Kontrast hierzu haben Taxifahrer herkömmlicher Unternehmen die Möglichkeit, sich bei Problemen an die Taxizentrale zu wenden. Außerdem können Taxifahrer Hilfe bei ihren Kollegen suchen. Da Uber allerdings lediglich eine Vermittlungsinstanz zwischen Fahrer und Fahrgast darstellt, können Uber-Fahrer bei Problemen nicht direkt eine Zentrale erreichen. Auch der Kontaktaufbau zu anderen Fahrern ist durch die App nicht möglich.

Die Fahrer, so ein Ergebnis meiner Studie, leiden unter der fehlenden Anerkennung, sie nehmen das Unternehmen als respektlos und teilweise ignorant wahr.

Literatur

Fuchs, Tatjana (2007): Arbeitsqualität aus Sicht von jungen Beschäftigten (unter 30 Jahren) – Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2007. Online verfügbar unter
https://index-gute-arbeit.dgb.de/veroeffentlichungen/sonderauswertungen (abgerufen am 08.03.2019).

Reintjes, Dominik (2019): Eine Stadt sagt Uber und Lyft den Kampf an.
https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/ride-austin-eine-stadt-sagt-uber-undlyft- den-kampf-an/24085230.html (abgerufen am 16.03.2019).

Tagesschau (2018a): BGH entscheidet über „Uber Black“ – US Fahrdienst.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/uber-bgh-101.html (abgerufen am 17.03.2019).

Quelle des Bildes: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/13/U_Ningbo_1.jpg

 

Wer mehr verdient – genauer: ein höheres Einkommen hat – lebt länger…

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FR schreibt: Wie Näherinnen in Sri Lanka für C&A schuften