Interessante Publikation: „Der lange Kampf der Amazon-Beschäftigen“

Boewe, Jörn/Schulten, Johannes (2019): Der lange Kampf der Amazon-Beschäftigen. Labor des Widerstands: Gewerkschaftliche Organisierung beim Weltmarktführer des Onlinehandels. Zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage. Rosa-Luxemburg-Stiftung. ANALYSEN Nr. 57. https://www.rosalux.de/publikation/id/8529/der-lange-kampf-der-amazon-beschaeftigen

Christy Hoffman, Generalsekretärin UNI Global Union, schreibt im Vorwort:

„Der Konzern setzt den Einzelhandel, den Lebensmittelhandel, die Logistikbranche und andere Bereiche, in denen es noch Gewerkschaften und faire Löhne gibt, unter Druck, indem er Arbeiter*innen ausbeutet und auf prekäre Beschäftigungsverhältnisse, algorithmisches Management, Subunternehmertum und Automatisierung setzt. … Amazon ist aber nicht nur ein schlechter Arbeitgeber, sondern unterwandert auch auf ganz grundlegende Weise die Demokratie. Der Konzern ist ein weltmeisterlicher Steuerhinterzieher und nutzt jedes erdenkliche Steuerschlupfloch aus. Das zerstört den bodenständigen Einzelhandel, der das Fundament des Steuersystems bildet. Das Unternehmen bedient sich jeglicher Form wettbewerbsfeindlichen Verhaltens und bereichert sich an Drittanbietern, die dazu genötigt sind, seine Handelsplattform zu nutzen. Die Amazon Web Services (AWS) beherrschen mehr als zwei Drittel des weltweiten CloudComputing-Markts und sind damit eine unmittelbare Gefahr für ein freies und offenes Internet. AWS bietet mächtige Technologien wie Gesichtserkennung und künstliche Intelligenz an, die bereits jetzt von Arbeitgeber*innen und Regierungen missbraucht werden. Amazon ist außerdem ein großer Klimasünder, dessen riesiges Netzwerk aus Datenzentren nicht nachhaltig betrieben wird; zudem liefert der Konzern seine AWS-Technologien an die Öl- und Gasindustrie und leistet damit deren Emissionsausstoß Vorschub. Die gute Nachricht ist, dass der Widerstand in der Zivilgesellschaft wächst und dass Regierungen wieder stärker regulieren. Weltweit begreifen die Menschen, dass Big Tech viel zu mächtig geworden ist und dass wir daran etwas ändern müssen.“
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Neues Schwerpunktheft der „Industriellen Beziehungen“ erschienen: Digitalisierung und Arbeitsbeziehungen in betrieblichen Arbeitswelten

Call for Papers für Schwerpunkhefte der Zeitschrift „Industrielle Beziehungen“


Call for Papers für Schwerpunkhefte der Zeitschrift „Industrielle Beziehungen

1. Tarifpolitik und Tarifautonomie. Schwerpunktheft der Industriellen Beziehungen (Heft 4/2020)
Gastherausgeber*innen: Ingrid Artus, Reinhard Bahnmüller, Reinhard Bispinck

Abstract bis zum 10. Januar 2020
Senden Sie Ihr Abstract bitte an: indbez@budrich-journals.de (Mit Betreffzeile: Abstract
SP-Heft Tarifpolitik)
Full Papers bis 31. Mai 2020
Das Schwerpunktheft soll als Heft 4/2020 erscheinen.
Den vollständigen Call for Papers finden Sie hier.

2. Interessenvertretung in (globalen) Wertschöpfungsnetzwerken (Heft 2/2021)
Gastherausgeber*nnen Nora Lohmeyer & Jörg Sydow

Abstract bis zum 15. April 2020
Senden Sie Ihr Abstract bitte an: indbez@budrich-journals.de (Mit Betreffzeile: Abstract
SP-Heft Interessenvertretung)
Full Papers sollen bis 31. August 2020
Das Schwerpunktheft soll als Heft 2/2021 erscheinen.
Den vollständigen Call for Papers finden Sie hier.

„Vom Wert der Mitbestimmung“: Wanderausstellung im BIZ Bielefeld

Maslow über die Anwendbarkeit seiner Theorie auf die Arbeitswelt

In Teilen der Betriebswirtschaftslehre und in der Arbeits- und Organisationspsychologie gilt Maslows Bedürfnis- und Motivationstheorie als zumindest im Kern zutreffend und man meint, man könne sie auf das Verhalten von Menschen in der Arbeitswelt übertragen. Maslow selbst war hier kritischer:

„My work on motivations came from the clinic, from a study of neurotic people. The carry-over of this theory to the industrial situation has some support from industrial studies, but certainly I would like to see a lot more studies of this kind before feeling finally convinced that this carry-over from the study of neurosis to the study of labor in factories is legitimate. The same thing is true of my studies of self-actualizating people – there is only this one study of mine available. There were many things wrong with the sampling, so many in fact that it must be considered to be, in the classical sense anyway, a bad or poor or inadequate experiment. I am quite willing to concede this – as a matter of fact, I am eager to concede it – because I’m a little worried about this stuff which I consider to be tentative being swallowed whole by all sorts of enthusiastic people, who really should be a little more tentative in the way that I am“ (Maslow,1965: 55).

Gut, man könnte dagegen einwenden, dass Maslow eben nicht richtig eingeschätzt habe, wie generalisierbar seine Theorie ist. Ich meine, man sollte sich Maslows Skepsis zum Vorbild nehmen.

Abraham Harold Maslow (April 1, 1908 – June 8, 1970), American professor of psychology who created Maslow’s hierarchy of needs*

Ich stelle die Bedürfnistheorie von Maslow in Vorlesungen nicht mehr vor, obwohl sie zur Historie der Verhaltenstheorien unabdingbar dazu gehört. Der Grund besteht darin, dass Studierende sich in Prüfungen bei der Frage nach Verhaltenstheorien meist nur an die Maslow’sche Bedürfnispyramide erinnern, während andere und besser bewährte Theorien (wie z.B. die Wert-Erwartungs-Theorien oder die Theorie sozialen Lernens) in den Hintergrund treten. Das mag damit zu tun haben, dass die Darstellung der Maslow’schen Theorie in der grafischen Form dazu beiträgt, dass man sie am leichtesten erinnert. Die einfache Darstellung könnte auch eine Ursache für ihre Verbreitung in der Managementlehre sein: Man bekommt die Darstellung als Pyramide so leicht auf eine Powerpoint-Folie und kann die Grundidee leicht erzählen, das geht mit der Wert-Erwartungs-Theorie oder der Theorie sozialen Lernens nicht so ohne Weiteres. (Abgesehen davon kann man mit der Theorie ganz unterschiedliche sozialtechnologische Aussagen begründen, vgl. dazu Nienhüser 1998). Wie gesagt: Maslow selbst hätte gezögert, Gestaltungsempfehlungen für Betriebe, für Lohnsysteme etwa, zu geben.

Literatur

  • Maslow, A.H. 1965: Eupsychian management. Homewood, IL: Irwin.
  • Nienhüser, W. 1998: Die Nutzung personal- und organisationswissenschaftlicher Erkenntnisse in Unternehmen. Eine Analyse der Bestimmungsgründe und Formen auf der Grundlage theoretischer und empirischer Befunde. In: Zeitschrift für Personalforschung, 1998, 12. Jg., H. 1, S. 21-49. PDF zum download), danke an Rainer Hampp-Verlag; die im PDF fehlende Abbildung von Seite 28 finden Sie hier.

„Neue Option: Grün-Rot-Rot?“ Beitrag von Herbert Bludau-Hoffmann

Neue Option: Grün-Rot-Rot?“ Beitrag von Herbert Bludau-Hoffmann

Herbert Bludau-Hoffmann hat einen lesenswerten Blog-Beitrag im „Freitag“ veröffentlicht (zur Freitag-Community hier).

Bludau-Hoffmann schreibt: „Der Höhenflug der Grünen und das Schwächeln nicht nur der SPD, sondern auch der CDU, lässt plötzlich eine machtpolitisch interessante Bündniskonstellation sichtbar werden: Grün-Rot-Rot. Die Grünen haben die aktuellen Trends und Themen mit dem Klimaschutz und Mobilitäts- und Umweltpolitik auf ihrer Seite. Es gibt noch keine Anzeichen dafür, dass die Grünen nicht auch weiterhin grandiose Wahlergebnisse einfahren werden und das zu Recht, vor dem Hintergrund der zögerlichen Klimapolitik der Bundesregierung. Allerdings wird die Bündnisoption Grün-Rot-Rot nur zum Tragen kommen, wenn die SPD und Die Linke ihr Wählerpotential stärker mobilisieren können. Das wird aber nicht ausreichend funktionieren, wenn beide Parteien versuchen, die Themen der Grünen nur zu kopieren. Da gibt es sicherlich thematischen Nachholbedarf. Aber entscheidend ist nach meiner Einschätzung die Neuformulierung einer sozialdemokratischen Agenda für die SPD und glaubhafte und mutige Politikangebote zu sozialer Gerechtigkeit und einem modernen starken Sozialstaat. Dass sogar die klassischen sozialdemokratischen Wähler heute nicht mehr richtig erkennen können, wofür die SPD steht, sollte zu denken geben .. . Wer allerdings schon im Wahlkampf oder kurz nach der Wahl die eigenen Themen wieder vergisst oder die eigene Agenda in einer Großen Koalition nur unzureichend durchbringt, hat ein Problem. Erschwerend kommt hinzu, dass es wohl nicht nur materielle Themen sind, die die Sozialdemokratie von ihrer klassischen Wählerschaft entfremdet hat. In einer aktuellen von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie heißt es: „Die Entfremdung zwischen Sozialdemokratie und sozial schwächeren Wahlberechtigten findet ….zeitgleich auf kultureller und klassisch materieller Links-Rechts-Konfliktachse statt“ .. .

Was sollten die wesentlichen Elemente einer neuen sozialdemokratischen Neuausrichtung bei den Themenfeldern Sozialstaat, fairer Arbeit und sozialer Gerechtigkeit sein?“

Bludau-Hoffmann nennt vier Bereiche, in denen eine Neuausrichtung erfolgen sollte:

„1) Reichtum begrenzen und umverteilen“
„2) Wohlfahrtsstaat ausbauen und Wert der Arbeit stärken“
„3) Atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse zurückdrängen“
„4) Bruch mit dem Prinzip „Markt geht vor Staat“ und mehr Steuerungsfähigkeit des Staates“

Detallierte Ausführungen zu den einzelnen Bereichen finden Sie hier: https://www.freitag.de/autoren/herby/neue-option-gruen-rot-rot

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ampel_rot.jpg

 

Interesting project: „SUNI – Smart Unions for New Industry. Approaching the end, time for assessment“

This is an interesting project. Here is an exerpt of a newsletter I received with the most important information. More see here: http://suniproject.adapt.it/

„Started in January 2018, the final stage of the SUNI (Smart Unions for New Industry) is now approaching. Thanks to co-funding from the European Commission, three metalworkers’ organisations and four research institutes from Germany, Italy, Spain and Sweden, have teamed up over the past 18 months to deepen the role of trade unions in relation to Industry 4.0 and gain expertise within the union context.“

„Nobody has a crystal ball to look into the digital future and there is no such thing as technological determinism related to digitalisation» (ETUC, 2016). Workers’ representatives are therefore urged to take action to collectively and sustainably shape the future of work.“

„The structure of SUNI is built upon 3 main work streams:

  1. Preliminary research, which led to
    a. the production of 4 national reports on Germany, Italy, Spain and Sweden and 1 comparative report;
    b. the organisation of an international meeting in Lulea (Sweden) where presenting the preliminary results of the project to the presence of Swedish stakeholders;
  2. Capacity building, which led to:
    a. the organisation and development of 4-day national training courses in Italy, Spain and Sweden with the participation of around 60 people among trade unionists and workers’ representatives;
    b. the organisation of a 3-day study trip to Bochum (Germany) where all partners visited the Learning Factory of the Ruhr University of Bochum;
    c. the draft of a handbook on “workers’ reps 4.0” in English and its translated versions in German, Italian, Spanish and Swedish;
  3. Dissemination, mainly comprising the creation of a project’s website and Twitter account and the organisation of a Final conference in Brussels (Belgium).

This infographic is intended to sum up the main results of this project.“