CfP der WSI-Mitteilungen zum Thema „Unsichere Zeiten“

Die Zeitschrift „WSI-Mitteilungen“ will die Publikationschancen für  jüngere WissenschaftlerInnen in der Qualifikationsphase (abgeschlossenes Masterstudium, PromovendInnen und PostdoktorandInnen) fördern und hat zu diesem Zweck einen AutorInnenwettbewerb ausgeschrieben.

Die Ausschreibung unter dem Arbeitstitel „Unsichere Zeiten? – Rückgewinnung sozialer Sicherheit und politischer Handlungsfähigkeit“  ist thematisch breit gefasst, um jüngere WissenschaftlerInnen aus verschiedenen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen anzusprechen (Einreichungsfrist 30.04.2018).

Den Call findet man hier: https://www.boeckler.de/pdf/wsi_mitteilungen_call_for_papers_foerderung_junger_autoren_2018.pdf

 

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Mehr Mitbestimmung in Frankreich: Aufruf „für eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer an der Unternehmensführung“

91 Akademiker, Unternehmenschefs, Gewerkschafter und Persönlichkeiten der internationalen Politik sprechen sich in einem offenen Brief in „Le Monde“ für eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer an der Unternehmensführung aus.

Die Mitbestimmung ist Thema einer breiten Bewegung. Seit einigen Jahren sprechen sich zahlreiche Unternehmenschefs, Gewerkschaftsführer, politische Persönlichkeiten, Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und soziale Akteure in Frankreich dafür aus. Sie fordern die stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer in den Verwaltungsräten oder Aufsichtsräten der Unternehmen, sei es nach deutschem Modell (paritätische Beteiligung der Arbeitnehmervertreter in großen Unternehmen), nach skandinavischem Modell (ein Drittel Arbeitnehmervertreter in kleineren Unternehmen) oder Zwischenformen.

Die Idee ist nicht neu, denn ihre Umsetzung im Privatsektor reicht in die 1950er Jahre zurück. In Deutschland, Österreich, Skandinavien, Finnland und den Niederlanden stützt sie sich auf ein Modell, das die Arbeitnehmer schützen soll und gleichzeitig nach wirtschaftlicher Effizienz strebt. In Frankreich findet sie in allen politischen Lagern Unterstützung.

Im Allgemeinen werden ihr die vier folgenden Vorzüge zugesprochen: Erstens gibt sie den Arbeitnehmern die Möglichkeit, an strategischen Entscheidungen des Unternehmens teilzuhaben. So haben sie ein Mitspracherecht bei Entscheidungen, von denen ihre Zukunft abhängt – was gerecht ist. Dann bietet sie dem Verwaltungsrat zusätzliche, für ihn wertvolle Informationsquellen – was effizient ist. Außerdem dient sie den Unternehmen als Anreiz, nichtfinanzielle Faktoren und ihre soziale und umweltpolitische Verantwortung stärker zu beachten – was verantwortungsbewusst ist. Und schließlich hat sie einen Mobilisierungseffekt, der die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärken kann, ohne dabei die menschliche Dimension aus dem Blick zu verlieren – was Grundlage einer förderlichen Dynamik („virtuous circle“) von Vertrauen und Innovation sein kann.“ (Quelle: https://www.mitbestimmung.de/html/die-mitbestimmung-muss-gesetzlich-6192.html, abgerufen am 25.10.2017)

Informationen über die derzeitigen Regelungen zur Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Frankreich finden Sie hier: http://de.worker-participation.eu/Nationale-Arbeitsbeziehungen/Laender/Frankreich/Unternehmensmitbestimmung

Neues Buch: Ulrich Brinkmann / Oliver Nachtwey: „Postdemokratie und Industrial Citizenship“

Die betriebliche Mitbestimmung ist ein zentrales Merkmal des deutschen Modells industrieller Beziehungen. In dem Buch wird die Mitbestimmung demokratie-theoretisch analysiert und mit der Frage der sozialen Ungleichheit verbunden. Systematisch wird rekonstruiert, wie industrielle Staatsbürgerrechte die demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Betriebsverfassung konstituieren. Anhand von empirischen Fallstudien wird schließlich nachgezeichnet, wie betriebliche Teilhabe und ihr demokratischer Gehalt in den letzten Jahren erodiert sind.“

Ulrich Brinkmann / Oliver Nachtwey: Postdemokratie und Industrial Citizenship. Erosionsprozesse von Demokratie und Mitbestimmung 2017 (mehr Informationen hier)

„Steuern und Gesellschaft“ – Jahrbuch Ökonomie und Gesellschaft Band 29 (2017) erschienen

Nienhüser, Werner; Schmiel, Ute (Hg.) (2017): Steuern und Gesellschaft. Jahrbuch Ökonomie und Gesellschaft. Band 29. Marburg: Metropolis-Verlag.

„Das Jahrbuch widmet sich dem Thema „Steuern und Gesellschaft“. Die Beiträge des Jahrbuchs thematisieren Steuern und ihre gesellschaftlichen Bezüge  disziplinenübergreifend. Steuern sind Gegenstand nicht nur ökonomischer, sondern philosophischer, politikwissenschaftlicher, soziologischer und rechtwissenschaftlicher Diskussionen. Wir erhoffen uns, dass Fragen offenbar werden, für die die Einzeldisziplinen allein weitgehend blind sind.
Die Beiträge des Bandes behandeln u.a. das Phänomen der Steuer und des Steuerstaates aus einer real- und ideengeschichtlichen Perspektive, sie tragen empirische Befunde darüber zusammen, was die Bevölkerung über Steuern denkt, und sie fragen, wie man Prinzipien der Besteuerung (etwa das Prinzip gleichmäßiger Besteuerung) systematisch begründen kann. Weitere Aufsätze konzentrieren sich stärker noch auf die von Unternehmen betriebene aggressive Steuergestaltung. Sie behandeln Fragen wie: Ist aggressive legale Steuergestaltung legitim? Welche Rolle spielen staatliche Politik und Berufsgruppen wie z.B. Steuerberatungsunternehmen für die aggressive  Steuergestaltung? Welchen Einfluss haben institutionelle Logiken (z.B. eine Markt- oder
Staatslogik) auf das unternehmerische Steuergestaltungsverhalten? Wirft das BEPS-Projekt, das Steuererosion verhindern soll, nicht mehr Probleme auf, als es löst? – Die Fragen und Antworten der Beiträge des Jahrbuchs widersprechen einander teilweise, teilweise ergänzen sie sich. Es sind nicht zuletzt die Widersprüche, die einen Erkenntnisfortschritt bewirken sollen.“ (Klappentext des Buches von Nienhüser/Schmiel 2017)

Im Einzelnen umfasst der Band folgende Beiträge:

  • Werner Nienhüser; Ute Schmiel: Steuern und Gesellschaft – Einleitung
  • Sebastian Huhnholz: Was soll das heißen: „Steuerstaat“?
  • Philip Fehling: Ideen gerechter Besteuerung im Wandel. Zur politischen Ökonomie finanzwissenschaftlicher Besteuerungsparadigmen
  • Mark Heitfeldt; Ute Schmiel: Was spricht für das Besteuerungsziel „Gleichmäßigkeit der Besteuerung“? – zugleich ein Beitrag zum Problem der Begründung von Normen
  • Karsten Mause:Der Steuerstaat aus Bürgersicht. Ein Forschungsüberblick
  • Irma Rybnikova; Silke Hüsing: Internationale Steuerplanung aus der Perspektive des Ansatzes der institutionellen Komplexität
  • Stefan Brocza; Andreas Brocza: Steuervermeidung als Instrument der Entwicklungspolitik. Eine Analyse der EU-Überseegebiete in der Karibik
  • Karsten Witt: Aggressive Steuergestaltung: legal, nicht legitim
  • Silke Ötsch: Zwischen gesellschaftlichem Ansehen und organisierter Kriminalität. Berufstätigkeit im Bereich der Steuerflucht und -vermeidung
  • Tobias Hagemann; Christian Kahlenberg: BEPS und Doppelbesteuerung

Nienhüser, Werner; Schmiel, Ute (Hg.) (2017): Steuern und Gesellschaft. Jahrbuch Ökonomie und Gesellschaft. Band 29. Marburg: Metropolis-Verlag.

Wir sind alle reich – alle, aber nicht jede/r

„Globale Geldvermögen auf Rekordhoch“ – schreibt Die Welt auf ihrem Online-Portal am 27.9.2017. Basis für diese Behauptung ist der sog. „Global Wealth Report“ (download hier), den das Versicherungsunternehmen Allianz publiziert. Rund 50.000 Euro Nettovermögen besitzen die Deutschen durchschnittlich, fast 180.000 Euro die US-Amerikaner. Und warum gibt es diesen Unterschied? Die Deutschen investieren einfach zu wenig in Wertpapiere bzw. Aktien. Sagt die Allianz.

„‚In anderen Ländern lassen die Leute das Geld für sich arbeiten, in Deutschland müssen wir für das Geld arbeiten‘, bilanzierte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise bei der Vorstellung des ‚Global Wealth Reports 2017’… „,

so Die Welt (Online-Portal, 27.9.2017; viele andere Zeitungen zitieren diesen Satz kritiklos).

Sind „die Deutschen“ nun reich? Falsch ist die Aussage nicht. „Alle, nicht jeder“ – so lautet der Titel eines Buches von Noelle-Neumann/Petersen (2005), und so kann man auch die Vermögenslage der Deutschen beschreiben. Wir sind zwar alle insgesamt wohlhabend, aber nicht jede/r. Manche sind eben reich, die anderen arm. Das ist bekannt.

Bild 1: Screenshot eines Ausschnitts von Seite 51 des Knight Frank Reports (2017)

Bild 1: Screenshot eines Ausschnitts von Seite 51 des Knight Frank Reports (2017)

Es lohnt sich, den „Global Wealth Report“ der Allianz mit dem „Knight Frank Wealth Report“ zu vergleichen, nicht hinsichtlich der Fakten, sondern der Aufmachung. Der Allianz-Report berichtet recht nüchtern mit Zahlen und Grafiken. Der Knight Frank-Report setzt dagegen unverhüllt auf eine Ästhetik des Reichtums. Da ist von einem „Luxury Investment Index“ die Rede; wir bekommen eine Liste der Luxusgüter genannt, die offenbar unser Begehren wecken oder gar repräsentieren soll (Bild 1).

Bild 2: Screenshot eines Ausschnitts von Seite 49 des Knight Frank Reports (2017)

Als Luxusgüter nennt der Report Objekte wie Autos, Juwelen, Kunst, chinesische Keramik und – nicht sehr sinnlich, wie ich finde, aber vielleicht lukrativ – Briefmarken (Bild 1). Ästhetik und Erotik gehen Hand in Hand. Als begehrenswert präsentiert werden (Frauen auf) Luxusyachten (Bild 2).

Warum interessieren sich Unternehmen wie die Allianz und Knight Frank für die Reichen, wer wie reich ist und was die Reichen kaufen? Weil solche Unternehmen mit Geld Geld machen. Die Allianz stellt ihre Ressourcen und Ergebnisse deren Nutzung so dar: „Die Allianz ist einer der weltweit führenden Versicherer und Asset Manager mit 86 Millionen Privat- und Unternehmenskunden. 2016 erwirtschafteten über 140.000 Mitarbeiter in mehr als 70 Ländern einen Gesamtumsatz von 122,4 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 10,8 Milliarden Euro. Die Allianz Gruppe betreute per Ende 2016 ein Investmentportfolio von 653 Milliarden Euro. Hinzu kamen bei unseren Asset Managern AllianzGI und PIMCO über 1,3 Billionen Euro an für Dritte verwaltete Vermögen.“ (https://www.allianz.com/de/presse/news/studien/170927_allianz-global-wealth-report-2017, abgerufen am 2.10.2017.

Leseempfehlung: „Dossier Debatte um Ungleichheit und Umverteilung“ http://www.labournet.de/politik/wipo/finanzmaerkte/steuerpolitik/debatte-um-ungleichheit-und-umverteilung/. Hier gibt es Links auf zahlreiche Studien zur Einkommens- und Vermögensverteilung.

Referenzen

Call for Papers for „management revue“: Echoes of an Era – A Century of Organisational Studies

Call for Papers: Echoes of an Era – A Century of Organisational Studies

„Managing Editor:
Wenzel Matiaske, Helmut-Schmidt-University Hamburg (Germany)

Hundred years ago, Henri Fayols “Administration Industrielle et Générale”, a milestone in the history of organisational thought, was published. This centenary motivates the editors of the Management Revue to launch a stream on the history of organisational studies. In the forthcoming volumes, and rather on an infrequent basis, we would like to publish contributions which not only introduce the reader to one or several, interrelated seminal works of organisational theory, but also provide accompanying commentaries and an analysis of their history of effects.

The reason for this format is, given our discipline’s forgetfulness of history, to provide orientation, which not only serves teaching and young management scholars. While reference to classic thought contributes to scientific advancement in other fields of the social sciences, in our field some research issues are being addressed repeatedly – without putting the associated arguments and findings in an adequate historical context. In this respect, addressing the history of thought should be understood as a contribution to the advancement of management research.

We would like to avoid a strict delimitation of the era being addressed. Contributions on contemporaries of Fayol like Frederik Winston Taylor, Frank B. and Lillian Gilbreth or Henry L. Gantt und Karol Adamiecki are as welcome as contributions are on Fayol’s predecessors or successors. By no means we are exclusively committed to the “engineers of the organisation”; economists, legal scholars and particularly the labour science community and psychologists should also be given due attention. A temporal upper boundary shall nevertheless be the 1970s, when, most notably induced by Alfred D. Chandler, strategic management and the reflection on it started to thrive.

This stream will be open to submissions until the end of 2017 in the first place. It will be maintained and edited by Wenzel Matiaske (Helmut-Schmidt-University Hamburg, Germany). Submissions shall accord with the formatting guidelines of the management revue. Please submit your manuscripts electronically via our online submission system using “Stream Echoes of an Era” as article section.
Looking forward to your contribution!

 

Montanmitbestimmung – was ist das eigentlich?

Die Monatmitbestimmung ist die stärkste Form der Mitbestimmung der Arbeitnehmer auf Unternehmensebene. Die Hans-Böckler-Stiftung hat dazu etliche Informationen zusammengestellt.

„Schnelle Übersicht: Was ist Montanmitbestimmung: https://www.boeckler.de/5543_33350.htm (mit Grafik) und: https://www.boeckler.de/67.htm#cont_3642

https://www.boeckler.de/61231_61260.htm – Die Kultur der Montanmitbestimmung hat Instrumente hervorgebracht, die die Beschäftigten vor dem schützt, was alle Arbeitnehmer fürchten: Arbeitslosigkeit und der freie Fall ins soziale Aus.

https://www.boeckler.de/43942_43957.htm – Auch bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise 2008/2009 spielte die Mitbestimmung eine große Rolle, zeigt unter anderem eine Analyse des IMK.

https://www.boeckler.de/108863_108896.htm – Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat schaffen Voraussetzungen für gute Arbeit. Denn in mitbestimmten Unternehmen hat die Personalpolitik einen höheren Stellenwert. Wichtig, gerade in Zeiten von Digitalisierung und lebenslangem Lernen. Das zeigt eine Untersuchung mit dem Mitbestimmungsindex von WZB und Hans-Böckler-Stiftung.

https://www.boeckler.de/65838_65847.htm – Zukunftssicherung: Mitbestimmte Unternehmen beteiligen sich stärker an der dualen Ausbildung als andere. Das zeigt eine Analyse mit dem neuen Mitbestimmungsindex MB-ix.

http://www.norbert-lammert.de/01-lammert/texte2.php?id=148 – Übrigens: Zu den Kennern der Montanmitbestimmung gehört auch Bundestagspräsident Norbert Lammert. In seiner Rede zum Jubiläum der IG Metall sagte er 2016: ich „empfehle (…) Ihnen jedenfalls gemeinsam, den Gewerkschaften wie den Gesetzgebern, zum weiteren Nachdenken, ob es wirklich der Weisheit allerletzter Schluss ist, dass mit dem Auslaufen des Bergbaus und dem Rückgang der Stahlindustrie dieses Mitbestimmungsmodell in die Geschichtsbücher wandert.“ Im aktuellen Wahlprogramm der Union spielt eine Stärkung der Mitbestimmung allerdings keine Rolle.“ (Quelle: https://idw-online.de/de/news681597)