Das Fernsehmagazin MONITOR berichtete am 24.11.2011 über “die neuen Tricks der Zeitarbeitsbranche”. Nach den Recherchen von MONITOR verrechnet das Leiharbeitsunternehmen Randstad einsatzfreie Zeiten mit dem Zeitkonto der Leiharbeiter. Dies ist gesetzeswidrig. In dem Beitrag von MONITOR kommt Prof. Peter Schüren, Arbeitsrechtler an der Universität Münster zu Wort: “Randstad muss die Zeiten zwischen einzelnen Arbeitseinsätzen ebenfalls bezahlen. Und mit diesem Konto wird genau das vermieden. Man gibt den Leuten das, was sie bereits vorher verdient haben und deklariert das als Arbeitseinkommen der Zwischenzeit. Das ist nicht in Ordnung, das ist mit dem Gesetz so nicht vereinbar und steht auch im Tarifvertrag nicht drin. Das hat Randstad sich in einer Betriebsvereinbarung und im Arbeitsvertrag selbst gebastelt.”
Randstad bestreitet diese Vorwürfe. MONITOR verweist auf Arbeitsverträge von Randstad, in denen es heißt: “Der Ausgleich von Zeitkonto-Plusstunden erfolgt in einsatzfreien Zeiten durch Freizeit;
sofern keine Plusstunden vorliegen, bauen sich Minusstunden auf.” (Quelle: MONITOR)
Den MONITOR-Beitrag kann man hier ansehen.
322 Tsd. Stellen mehr von 2009 auf 2010 (siehe Tabelle). Das ist ein Anstieg von 1,1%. Schlecht ist: Mehr als die Hälfte des Beschäftigungszuwachses (57%) entfällt auf Leiharbeit. Hier ist ein Anstieg von fast 33% zu verzeichnen. Nimmt man andere atypische Beschäftigungsformen hinzu, dann sind es sogar 75% der neu entstandenen Arbeitsplätze, bei denen die Beschäftigten keinen “normalen” Arbeitsvertrag haben.
| Beschäftigtengruppe |
Veränderung von 2009 auf 2010 absolut (in Tsd.) |
Veränderung von 2009 auf 2010 in Prozent |
| Beschäftigte insgesamt |
322 |
1,1 |
| Normalerwerbstätige |
79 |
0,3 |
| Befristet Beschäftigte |
121 |
4,6 |
| Teilzeitbeschäftigte |
28 |
0,6 |
| Geringfügig Beschäftigte |
-57 |
-2,2 |
| Leiharbeitnehmer/-innen |
182 |
32,5 |
(Quelle: Statistisches Bundesamt 2011 und eigene Berechnungen, siehe hier die Pressemiteilung mit der entsprechenden Tabelle, aus der die o.a. Zahlen stammen.
Siehe auch: Stellenzuwachs bei Leiharbeitern (bei Handelsblatt.com am 19.07.2011 veröffentlicht
“Jeder achte Leiharbeiter ist arm” (Taz v. 7.2.2011)

(Die Tabelle habe ich nach Daten der DGB-Studie von Wilhelm Adamy zusammengestellt (DGB 2011: Niedriglohn und Lohndumping im Verleihgewerbe, DGB Abteilung Arbeitsmarkt aktuell, Berlin, download hier.))
Eine informative wie kritische Zusammenstellung zur Empirie und Politik der Leiharbeit findet man bei Labournet.de.
Werner Nienhüser und Maiken Bonnes (Lehrstuhl für Personalwirtschaft, Universität Duisburg-Essen) haben Mitte 2008 eine Befragung von Betriebsräten in der Stahlbranche zum Thema Leiharbeit und Werkverträgen durchgeführt. Auftraggeber der Studie war das Zweigbüro Stahl der IG Metall mit Unterstützung des IG Metall-Funktionsbereichs Mitglieder & Kampagnen.
Von 92 arbeitspolitisch wichtigen (großen) Stahlbetrieben haben 43 geantwortet. Zentrale Themenbereiche der Untersuchung waren: 1. Ausmaß der Leiharbeit und Werkverträge, Einsatzbereiche und Einsatzgründe, 2. Einsatz- und Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter, 3. Regulierung von Leiharbeit durch Tarifvertrag und betriebliche Vereinbarungen und 4. die Organisierung der Leiharbeiter.
Für das erste Halbjahr 2008 gaben ca. drei Viertel der antwortenden Betriebsräte an, Leiharbeiter beschäftigt zu haben. Die durchschnittliche Leiharbeiterquote betrug knapp 5% (Standardabweichung 6%). Die höchste Leiharbeiterquote wurde mit 24% angegeben. (Weitere Ergebnisse sind im Ergebnisbericht zu finden.)

Abbildung 1: Anteil der Leiharbeiter an der Stammbelegschaft im ersten Halbjahr 2008 (in Prozent)
Quelle: Nienhüser, W.; Bonnes, M. 2009: Regulierung von Leiharbeit und Werkverträgen. Ergebnisse einer Betriebsrats-Befragung in Stahlunternehmen. Ergebnisbericht 07, Werkstatt für Organisations- und Personalforschung e.V., Berlin (download)
Lutz Bellmann und Alexander Kühl haben eine neue Studie zur Leiharbeit publiziert. Der Titel lautet:
Weitere Expansion der Leiharbeit? Eine Bestandsaufnahme auf Basis des IAB-Betriebspanels.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden. Einen Überblick über die Befunde findet man auch im Boeckler Impuls 20/2007.
Die Autoren fassen die wesentlichen Ergebnisse so zusammen:
- “Der Anteil der Betriebe mit Leiharbeit stieg von 2,5 % im Jahr 2005 auf 2,8 % im darauf folgenden Jahr. Entsprechend stieg der Anteil der Leiharbeitskräfte an der Gesamtbeschäftigung im selben Zeitraum von einem auf 1,5 %.
- Im verarbeitenden Gewerbe kann festgestellt werden, dass in Entleihbetrieben zu einem geringeren Anteil andere sonstige Beschäftigungsverhältnisse anzutreffen sind als in Betrieben ohne Leiharbeit. Dies zeigt, dass Austauschprozesse zwischen diesen Arten atypischer Beschäftigung stattgefunden haben.
- Betriebe, in denen jedes fünfte Belegschaftsmitglied (Intensivnutzer) eine Leiharbeitskraft ist, machen gegenwärtig rund 10 Prozent der Entleihbetriebe aus.
- In rund 60 Prozent der Entleihbetriebe ist kein Betriebsrat anzutreffen.
- Je höher die Nutzungsintensität ist, desto stärker geht der Anteil von Betrieben mit Überstunden zurück. Dies lässt folgern, dass in diesen Betrieben Leiharbeit anstatt Überstunden gewählt werden, um anfallende Kosten gering zu halten.” (Bellmann/Kühl 2007: Zusammenfassung).
Das immer noch über die empirischen Befunde hinaus aktuelle Buch von
Klaus Kock: “Die austauschbare Belegschaft. Flexibilisierung durch Fremdfirmen und Leiharbeit“. Köln 1990.
findet man hier im PDF-Format.
Zwar mögen die empirischen Befunde eher von historischem Interesse sein, die Perspektive auf das Phänomen der Externalisierung ist nach wie vor beachtenswert.
Den Aufsatz von Markus Promberger “Leiharbeit. Flexibilität und Prekarität in der betrieblichen Praxis” kann man hier bei Labournet runterladen. Der Aufsatz ist in dem Buch “Atypische Beschäftigung – Flexibilisierung und soziale Risiken” von Berndt Keller und Hartmut Seifert (Hrsg.) (2007, Verlag edition sigma Berlin; Reihe: Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung, Bd. 81., ISBN: 978-3-8360-8681-3, 15,90 EUR) erschienen (siehe auch meinen früheren Eintrag ).
Mehr Informationen zur Leiharbeit findet man u.a. auf den Seiten von Labornet.